Niedersächsischer Staatspreis für das gestaltende Handwerk 2013

Hannover, 18. Januar 2013.- Der Niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Jörg Bode, hat heute die Webermeisterin und Textildesignerin Lucia Schwalenberg aus Wennigsen mit dem mit 5.000 Euro dotierten Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk 2013 ausgezeichnet. Darüber hinaus verlieh er die beiden mit je 2.500 Euro ausgestatteten Niedersächsischen Förderpreise für das gestaltende Handwerk 2013 an Alexander Seitz, Metall- und Glasgestalter aus Hannover, sowie an die Weberin Nele Knierim (Friedland). Zum zweiten Mal vergab der Minister darüber hinaus den mit 3.000 Euro dotierten Unternehmenspreis "Erfolgsfaktor Design". Die Auszeichnung ging an die Tischlerei Balsiger aus Hannover.

In seiner Laudatio zeigte sich Bode beeindruckt durch das hohe Niveau aller Wettbewerbsarbeiten. „Wer die Exponate der Preisträgerinnen und Preisträger genauer in Augenschein nimmt, dem wird schnell klar, dass gestaltendes Handwerk nicht nur etwas mit handwerklichem Können und gutem Design, sondern auch ganz viel mit Innovation und künstlerischem Ausdruck zu tun hat“, erklärte der Minister bei der Preisverleihung in Hannover.

Die Webermeisterin und Diplom-Designerin Lucia Schwalenberg aus Wennigsen empfahl sich für den Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk mit Handweberkunst auf höchstem Niveau: Feinstes Fächergewebe, bei dem die Kettfäden während des Webens mit einem speziellen Webkamm innerhalb des Gewebes verschoben werden, heben die rechtwinklige Ordnung des Webens zugunsten geschwungener Linien auf. Anspruchsvolles Crepegewebe mit Kettbemalung und Schussgarn aus Kupfer oder Seide mit Stahlkern verleihen den Geweben formbare Dreidimensionalität. Sichtbare und spürbare Strukturen mit Verwerfungen, Höhen und Tiefen finden sich bei den Schalvariationen aus Seide und Elastan, deren ungewöhnliche Plastizität überzeugt.

Der Jury gefiel insbesondere die sensible Auswahl und Kombination der Materialien und die konstant hohe Qualität der Produkte. Klassische Webtechniken verbinden sich bei Lucia Schwalenberg in besonderer Weise mit dem Mut zum Experiment und zu innovativer Weiterentwicklung. Dabei entstehen Gewebe, die edel und klassisch, aber zugleich innovativ und überraschend wirken und die - bei aller Exklusivität - doch immer funktional und damit auch vermarktbar bleiben.

Einen Förderpreis erhielt der junge Designer Alexander Seitz, der im Oktober 2012 auch mit dem Grassipreis ausgezeichnet wurde. Der in Tadschikistan geborene Metall- und Glasgestalter benutzt als Werkzeug und Impulsgeber seiner Schalenserie „Klangformen" das Zeit-Amplituden-Diagramm, mit dessen Hilfe er den dynamischen Verlauf eines Musikstückes sichtbar macht. Acht Takte lange Musikzitate dienen auf diese Weise als Ausgangsbasis für den weiteren Gestaltungsprozess, an dessen Ende fragile Schalenobjekte aus Glas stehen, die eine besondere Anziehungskraft auf den Betrachter ausüben. Die Umsetzung einer technischen Reflexion in eine raffinierte Ästhetik beeindruckte die Juroren, die mit der Vergabe des Förderpreises den jungen Designer nachhaltig ermutigen möchten, den einmal beschrittenen Weg weiter zu verfolgen.

Über den zweiten Förderpreis für das gestaltende Handwerk darf sich die Handweberin Nele Knierim freuen, die seit 2009 als Werkstattleiterin und Textildesignerin in der Handweberei Rosenwinkel tätig ist. Sie reichte zum Wettbewerb einen von ihr entwickelten handgewebten Akustikstoff aus 100 % Merinowolle ein. Durch die Verbindung einer alten Handwerkstechnik mit einem besonderen Veredelungsprozess, bei dem mithilfe einer Filz-Reservierungstechnik differenzierte Oberflächenstrukturen geschaffen werden können, entsteht ein absolut individuelles Gewebe zur Verbesserung der Raumakustik.

Das Akustikgewebe zeugt von hoher Problemlösungskompetenz und zeigt, dass Handweberei viel mehr sein kann, als die Herstellung eines schönen Stoffes. Dass mit diesem innovativen Kleinserienprodukt auch neue Märkte für die Handweberei Rosenwinkel erschlossen werden sollen, fand ebenfalls den Beifall der Juroren.

Zusammen mit dem Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk wurde auch 2013 wieder ein Unternehmenspreis „Erfolgsfaktor Design" vergeben. Der Preis geht in diesem Jahr an einen Handwerksbetrieb aus Hannover: die Tischlerei Balsiger. Die von Tischlermeister Christoph Balsiger eingereichte Dokumentation sowie der Internetauftritt überzeugten die Jury auf Anhieb von der durchgehenden Designorientierung des kleinen in der Südstadt von Hannover angesiedelten Tischlerbetriebs. In der Tischlerei entstehen Möbel und Innenausbauten aus Holz, die industriell nicht herstellbar sind und die für Kunden bestimmt sind, die die Symbiose von exklusiver Gestaltung und bester Material- und Verarbeitungsqualität zu schätzen wissen.

Den Juroren gefiel die unaufgeregte und ausgesprochen zeitgemäße Gestaltung des Corporate Designs des Unternehmens, die stringent und kohärent in der Visitenkarte, im Flyer und im Internet wieder zu finden ist. Zurückhaltend und reduziert präsentiert sich die Tischlerei Balsiger ihren Kunden und wirkt damit souverän, authentisch, glaubwürdig und Vertrauen erweckend.

Hinweis:
Vom 19. Januar 2013 bis zum 23. Februar 2013 ist in der Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover, die Staatspreisausstellung mit allen Wettbewerbs- und Siegerarbeiten zu sehen. Die Ausstellung ist von Di – Fr 11-18 Uhr und Sa 11-14 Uhr geöffnet. So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen ist die Ausstellung geschlossen. Der Eintritt ist kostenlos. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Sabine Wilp