Handwerksform

Turn around: Sommerausstellung in der Handwerksform Hannover

Hannover, 06. Juni 2014.-  Beim Drechseln geht es richtig rund. Ob Holz, Horn, Elfenbein, Kunststoff oder Alabaster, die Gefäße und Objekte entstehen auf der Drechselbank, bei der sich das Werkstück in der horizontalen Ebene zentrisch um seine Achse dreht. Der perfekte Turnaround, die Rotation des Drehvorgangs, muss präzise gesteuert werden, damit das Ergebnis am Ende überzeugt.

In der Sommerausstellung "Turn around" in der Handwerksform Hannover kann man die ganze Bandbreite moderner, zeitgemäßer Drechslerkunst erleben: vom hauchdünnen Gefäß, über die gut gestaltete Pfeffermühle bis hin zum expressiven Objekt. 28 professionell arbeitende Drechsler - darunter auch Alain Mailland aus Frankreich und Hans Henning Pedersen aus Dänemark - sind in der Ausstellung vertreten.

Der Bereich der gedrechselten Gefäße wird in der Sommerausstellung "Turn around" einen breiten Raum einnehmen. Die hauchdünnen intensiv schwarzen oder gebleichten Schalen von Friedemann Bühler, bei denen die Maserungen als reizvolles Muster sichtbar werden, sind einmal mehr in der Handwerksform Hannover zu sehen. "Die Schalen von Friedemann Bühler bewahren den Daumenabdruck eines Riesen, eines Baumriesen." Das hat Schnuppe von Gwinner einmal über Friedemann Bühlers gedrechselte Gefäße geschrieben und poetischer kann man es eigentlich nicht ausdrücken.

Auch die hoch ästhetischen Gefäße aus der Werkstatt von Christoph Finkel, die 2013 erstmals in Hannover gezeigt wurden, wollen wir den Besucherinnen und Besuchern der Handwerksform noch einmal nahebringen. Finkel mag die reine und echte Schönheit von rohem Holz und die feine Struktur der Werkzeuge, mit der er die Form herausarbeitet. Er bearbeitet die Oberflächen nicht, selbst Sandpapier verwendet er nur selten und setzt ganz auf die Ausgewogenheit von Material und Gestaltung.

Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten von Benedikt Maria Bohlinger, der nur frisches, gerade erst gefälltes Holz bearbeitet, das erst nach dem Ende der Bearbeitung seine finale Form annimmt. Ihn begeistert die Tatsache, dass er den Prozess nicht vollständig kontrollieren kann. Das gilt sowohl für den Drechselprozess selbst wie auch für die weitere Bearbeitung der Schalen, die bei Bohlinger hochglänzend farblich behandelt werden.

Die dickwandigen Schalen aus Mooreiche von Ekkehard Körber sind in der Handwerksform Hannover seit vielen Jahren in der Weihnachtsschau zu sehen. Sie dürfen natürlich in einer Drechslerausstellung nicht fehlen. Körber legt bei den Schalen besonderes Augenmerk auf die Verbindung zwischen strenger Form und sauberer Verarbeitung einerseits und den groben Spuren von Alterung, Trocknung, Gebrauch und Feuer und wildem Wuchs andererseits, die vor allem auf den breiten, nicht bearbeiteten Rändern der Schalen hervortreten. Die  dunkelblaue bis tiefschwarze Mooreiche, mit der er bevorzugt arbeitet, stammt aus den Hartholzauenwäldern der Stein-, Bronze- und Eisenzeit und kann bis zu 7.000 Jahre alt sein.

Alain Mailland ist in Südfrankreich beheimatet. Er war einer der ersten, der mit nassem Holz gedrechselt und damit ganz bewusst die Veränderungen in Kauf genommen hat, die beim Trocknungsprozess entstehen. In vielen Jahren der künstlerischen Arbeit hat er seine Herangehensweise und seine Werkzeuge immer weiter verfeinert. Und es ist wirklich eine wahre Wunderwelt, die er aus den Hölzern seiner provenzalischen Heimat hervorzaubert. Dabei kombiniert er in einzigartiger Weise den Drechselprozess mit der Holzschnitzerei.

Aber natürlich sind in der Ausstellung "Turn around" nicht nur Gefäßobjekte zu bewundern. Mit Armin Kolb ist auch der Drechsler vertreten, der seit rund 30 Jahren ausschließlich Kreisel fertigt. Faszinierende kleine Wunderwerke, handwerklich perfekt und bestechend gestaltet.

Percussionisten werden dagegen wohl eher ihr Herz für die große Taiko entdecken, die an zentraler Stelle der Ausstellung zu sehen ist. Sie stammt aus der Werkstatt von Kai Simonsen. Taikos, Fasstrommeln unterschiedlicher Größe, stammen ursprünglich aus Japan. Normalerweise werden sie aus einem Baumabschnitt des Zelkovabaums herausgearbeitet. Da der Herstellungsprozess sehr aufwändig ist, lange Bearbeitungszeiten erfordert und Bäume mit dem entsprechenden Durchmesse immer seltener und wertvoller werden, geht man auch in Japan zunehmend dazu über, den Korpus aus einzelnen Dauben zusammenzusetzen.

Die Ausstellung ist vom 07. Juni 2014 bis 12. Juli 2014 in der Handwerksform Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: Di - Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr, So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen. Mit dieser Ausstellung beteiligen wir uns an der Nacht der Museen am 14. Juni 2014.

Ausstellungseröffnung:
Samstag, 07. Juni 2014, 12-14 Uhr

Begrüßung und Einführung:
Dr. Sabine Wilp, Leiterin Handwerksform Hannover

Drechslervorführung:
Hans Weißflog, Drechsler und Designer aus Hildesheim

Gewitterstimmen:
Japanisches Taiko-Trommeln
Oliver Reichelt, Hamburg

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp