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Wozu leichte Sprache?

Leichte Sprache kann Betrieben dabei helfen, Menschen mit Behinderungen, geringen Deutschkenntnissen oder Lernschwierigkeiten besser zu integrieren. Andrea Weber-Lages im Interview.

Hannover.- (vo) Leichte Sprache kann Betrieben dabei helfen, Menschen mit Behinderungen, geringen Deutschkenntnissen oder Lernschwierigkeiten besser zu integrieren. Andrea Weber-Lages im Interview.

Frau Weber-Lages, Sie sind in der Handwerkskammer Hannover Ansprechpartnerin für das Thema „Leichte Sprache“. Was genau ist leichte Sprache?

Weber-Lages: Leichte Sprache heißt, so zu  schreiben oder zu sprechen, dass es alle gut verstehen. Dazu gehört z.B. eine große und klare Schrift, einfache Sätze, nicht mehr als eine Aussage pro Satz, kein Konjunktiv oder Genitiv, keine Fremdwörter oder Fachvokabular.

Für wen ist leichte Sprache?

Weber-Lages: Leichte Sprache ist besonders wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten, Behinderungen, geringen Deutschkenntnissen sowie für ältere Menschen. Auch für Handwerksbetriebe gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Leichte Sprache und leicht lesbare Texte sind für Unternehmen interessant, die alle Menschen erreichen wollen. Unabhängig von Bildung und Einkommen. Das fängt bei der Nachwuchs- und Fachkräftesicherung an und hört bei der Kundenbetreuung auf.

Wie können Betriebe leichte Sprache für sich nutzen?

Weber-Lages: Generell können leicht lesbare Texte überall eingesetzt werden. Im Netz, für Kundenbroschüren, Briefe und Formulare. Besonders sinnvoll sind leicht lesbare Texte auch in der Beratung. Unternehmen, die ihren Kunden gut verständliches Informationsmaterial in die Hand geben können, brauchen weniger Zeit für Kundengespräche. Und es entstehen weniger Missverständnisse. Ein weiterer Vorteil: Der Kunde fühlt sich verstanden und gut aufgehoben. So entsteht Kundenbindung. Und alles, was für die Kunden gilt, gilt natürlich auch für die eigenen Mitarbeiter.

Inwiefern ist das Thema für die eigenen Mitarbeiter wichtig?

Weber-Lages: Erstmal natürlich, dass alle – vom Azubi bis hin zum langjährigen Mitarbeiter – die Möglichkeit bekommen, auch alles gleich zu verstehen. Darüber hinaus beschäftigen einige Handwerksbetriebe auch junge Menschen, die noch nicht sehr lange in Deutschland sind und die Sprache vielleicht auch noch nicht gut genug beherrschen. Um diejenigen schnellst- und bestmöglich zu integrieren, sollten Betriebe es ihnen so einfach wie möglich machen wichtige Sachverhalte zu verstehen. Gerade für diese Betriebe ist der Gebrauch von leichter Sprache der Schlüssel zum Erfolg. Meist helfen da schon die einfachsten Dinge, um Missverständnissen oder Fehlern vorzubeugen. Das kann die Werkstattordnung in leichter Sprache sein, interne Betriebsregeln, Bedienungsanleitungen für Maschinen oder Programme, aber auch Aufgabenstellungen oder Prüfungsfragen für den Azubi. (26.06.2017)

Kontakt:

Andrea Weber-Lages
Sachbearbeiterin

Tel. (05 11) 3 48 59 - 39
Fax (05 11) 3 48 59 - 32
weber-lages--at--hwk-hannover.de