Zuversichtlich in die Zukunft

Hannover, 20. Mai 2015.- „Die Stimmung im Handwerk ist insgesamt etwas verhalten, aber unsere Betriebe blicken zuversichtlich in die Zukunft.“ Das machte Handwerkskammerpräsident Karl-Wilhelm Steinmann in seinem Jahresbericht bei der heutigen Frühjahrsvollversammlung deutlich.

Die Daten aus der Frühjahrskonjunkturumfrage zeigten, dass die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft besser sei als noch im Herbst befürchtet. Unsicherheiten seien zwar spürbar, aber immerhin gebe es Rückenwind durch gesunkene Rohstoffpreise, den Wechselkurs des Euro und den stabilen Arbeitsmarkt.

Auch Hauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting führte aus, dass das Jahr 2014 für das Handwerk im Kammerbezirk Hannover mit einer positiven Bilanz abgeschlossen habe. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe sei erneut gestiegen. Demnach waren Ende Dezember 2014 18.942 Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen. Das sind 105 Betriebe bzw. 0,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Damit habe sich das Handwerk auf gutem Niveau stabilisiert. Mit Sorge wies Ernsting aber darauf hin, dass die Gruppe der zulassungspflichtigen Handwerke (Meisterbetriebe/Anlage A) erneut leicht geschrumpft sei. Hier wurden Ende 2014 11.083 Betriebe und damit 43 weniger als im Vorjahr gezählt. Das entspricht einem neuerlichen Rückgang von 0,4 Prozent.

Ernsting machte deutlich, dass rund 41,5 Prozent der Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannover mittlerweile zum zulassungsfreien Handwerk und zu den handwerksähnlichen Gewerben gehören. 4.472 Betriebe waren zum Jahresende 2014 in den 53 zulassungsfreien Handwerksberufen eingetragen. Das entspricht einem Zuwachs von 139 Betrieben (+3,2 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Tendenz weiter steigend. Leichte Steigerungen gab es auch im Bereich der handwerksähnlichen Gewerbe der Anlage B2. Hier wurde am Ende des Jahres 2014 insgesamt 3.387 Betriebe und damit 9 mehr (+0,3 Prozent) gezählt als Ende 2013.

„Wenn man die Betriebszahlen analysiert, dann werden drei Dinge besonders deutlich“, erklärte Ernsting. „Die Zahl der Kleinstbetriebe steigt von Jahr zu Jahr, viele Existenzgründungen im zulassungsfreien Bereich sind nicht nachhaltig, und die Zahl der Auszubildenden sinkt.“

Die Folgen für das Handwerk sind massiv. Die Dequalifizierungsspirale, vor der die Handwerkskammer Hannover seit Jahren gewarnt habe, ist längst in Gang gesetzt. Sorgen bereiten der Kammer darüber hinaus die weiter zurückgehenden Ausbildungszahlen. So sei zum 31.12.2014 die Zahl der in die Lehrlingsrolle eingetragenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr zwar nur um 0,2 Prozent auf 8.446 zurückgegangen. Aber das Halten des Vorjahresniveaus sei nur durch deutlich größere Anstrengungen der Betriebe und der Handwerkskammer bei der Nachwuchsgewinnung möglich gewesen.

Kammerpräsident Steinmann machte deutlich, dass die Handwerkskammer Hannover nicht nachlassen werde, um Schulabgängerinnen und Schulabgänger für das Handwerk zu werben. Dabei müssten viele verschiedene Wege beschritten werden. „Natürlich werden wir nach wie vor versuchen, auch leistungsschwächeren Jugendlichen einen Weg ins Handwerk zu ebnen, und wir werden alles tun, um bei der Ausbildung von Flüchtlingen mit zu helfen. Aber wir brauchen auch mehr leistungsstarke Jugendliche. Daher werden wir alles daran setzen, Abiturienten, Fachhochschülern und auch Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern für die attraktiven Karrieremöglichkeiten im Handwerk zu begeistern“, so Steinmann in seinem Bericht vor der Vollversammlung.

Für diese Zielgruppe bietet die Handwerkskammer attraktive höhere Bildungsgänge wie duale Studiengänge und seit dem letzten Jahr auch das sogenannte triale Studium. „Wir brauchen mutige Konzepte, um die berufliche Bildung attraktiv und zukunftsfähig zu machen, und wir brauchen die Unterstützung der Politik, damit der immer wieder propagierte Vorrang der dualen Ausbildung und der Erhalt der Funktionsfähigkeit des dualen Ausbildungssystems wirklich Realität wird und nicht nur politisches Lippenbekenntnis bleibt“, betonte Steinmann.

fruehjahrsvollversammlung 2015

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp