Maurerazubis lernen in einer Woche vieles über den Baustoff Lehm.
Handwerkskammer Hannover/Katja Jandrey
Maurerazubis lernen in einer Woche vieles über den Baustoff Lehm.

Auf dem Lehrplan: Nachhaltiges Bauen mit Lehm

Hannover. (kj) Seit Anfang Februar gibt es auf dem Campus Handwerk einen neuen Pilot-Lehrgang im Bauhandwerk, der im Rahmen der Stufenausbildung implementiert werden soll. „Der Markt fordert, wir liefern!“ so der Ausbilder Wolf Sonnet, der eine Weiterbildung für diesen Bereich besucht hat und sein Wissen jetzt an die Auszubildenden weitergibt. Wir haben ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Warum wird eine alte Technik wieder in der überbetrieblichen Ausbildung gelehrt?

Wolf Sonnet: Der Lehmbau ist ein altes und sehr traditionelles Handwerk, welches durch die hochgradige Technisierung fast komplett verdrängt wurde. Heute bekommt diese Technik zum Glück wieder mehr Bedeutung, denn neben den Umweltaspekten ist das angenehme Raumklima ein wichtiger Faktor, der sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen auswirkt. Auch immer mehr Kunden fragen nach umweltfreundlichen Baumaterialien. Der Lehmziegel hat eine unschlagbare CO2-Bilanz. Sein sekundärer Energieverbrauch für die Aufbereitung ist in allen Formen gering. Die Ziegel trocknen nur und müssen nicht gebrannt werden. Außerdem kommt Lehm überall vor und so sind die Wege für die Aufbereitung sehr kurz.

Campus-Ausbilder Wolf Sonnet ist mit den Ergebnissen der ersten UELU-Woche zum Thema Lehmbau sehr zufrieden.
Handwerkskammer Hannover/Katja Jandrey
Campus-Ausbilder Wolf Sonnet ist mit den Ergebnissen der ersten UELU-Woche zum Thema Lehmbau sehr zufrieden.

Mit den Händen das Material erkunden macht in diesem Fall ganz besonders Spaß.
Handwerkskammer Hannover/Katja Jandrey
Mit den Händen das Material erkunden macht in diesem Fall ganz besonders Spaß.

Was sind die Vorteile am Lehmbau?

Grundsätzlich ist Lehm preisgünstig und lässt sich sehr leicht verarbeiten bzw. korrigieren. Ihm werden abmagernde Zuschläge wie Stroh, Hanfschäben oder Holzspäne hinzugefügt. Die Zuschläge wirken wie die Stahl-Armierungen im Beton stabilisierend. Früher wurden auch andere organische Materialien wie Schweineborsten, Pferdehaar oder Dachshaar hinzugefügt. Die Tierhaare verhinderten die Rissbildung. Lehm ist vollständig recycelbar und im trockenen Zustand unbegrenzt haltbar.

Darüber hinaus hat Lehm einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Er ist in seiner Reinform schimmelresistent und zieht z.B. bei der Fachwerkbauweise sogar überschüssiges Wasser aus dem Holz und konserviert es sogar. Mit Lehm gebaute Wände wirken also ausgleichend. So haben auch Schädlinge keine Chance das Bauwerk zu befallen. Daneben bindet Lehm Schadstoffpartikel aus der Luft, er reduziert Gerüche, speichert Wärme und gibt sie gleichmäßig wieder ab.

Wie reagieren die Auszubildenden auf diesen ersten Lehrgang?

Die Auszubildenden sind hochgradig motiviert, denn sie kommen aus der Generation, die ein großes ökologisches Bewusstsein hat und sich daher für die nachhaltige und energiesparende Lehmbauweise sehr interessiert. Da nicht alle Baubetriebe dieses Segment bedienen, unterrichten wir in der Überbetrieblichen Ausbildung auf dem Campus das nötige Know-how, damit zukünftig immer klimaneutraler gebaut werden kann. Im ersten Ausbildungsjahr werden die Grundlagen gelegt und im weiteren Verlauf der Ausbildung werden die erworbenen Kenntnisse aus dem Betrieb vertieft.

Ansprechpartner:

Wolf Sonnet
Ausbilder in der Fachgruppe Bau

Tel. +49 511 34859 318
Fax +49 511 34859 280
sonnet--at--hwk-hannover.de