Dagmar Christina Gerke: Glasobjekte "Wulai"
Dagmar Christina Gerke: Glasobjekte "Wulai"

Sommerausstellung "What's new?"

Vom Mut, auch unter schwierigen Bedingungen etwas Neues zu wagen, zeugen die Exponate der Sommerausstellung 2022 in der Handwerksform Hannover. Alle Objekte stammen aus den Jahren 2020 bis 2022, sind also während der Corona Pandemie entstanden.

Hannover, 02. Juni 2022.- Die letzten beiden Jahre waren für die Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker im In- und Ausland nicht einfach. Die meisten Vertriebswege brachen aufgrund der Corona Pandemie von einem Tag zum anderen weg. Es gab kaum noch eine Möglichkeit, die eigenen Kreationen der Öffentlichkeit vorzustellen. Damit schwanden auch die Erwerbsmöglichkeiten. Dennoch wurde in den Werkstätten und Ateliers unverdrossen weiter gearbeitet, und es entstanden zahlreiche neue Objekte, hinter denen sich zum Teil sehr spannende Geschichten verbergen. In der Sommerausstellung 2022 zeigt die Handwerksform Hannover 31 Kunsthandwerker*innen, Designer*innen und angewandte Künstler*innen aus unterschiedlichen Werkbereichen vorstellen mit Arbeiten aus den Jahren 2020 und 2021.

Keramik

Eine der Teilnehmer*innen der Ausstellung ist Valena Ammon. Die Keramikerin möchte mit ihren Gefäßobjekten Menschen zum Nachdenken anregen. Besonders interessant findet sie die Frage, ob Objekte, die in Teilen maschinell hergestellt wurden, als Kunsthandwerk wahrgenommen werden und dieselbe kulturelle Wertschätzung erfahren können wir Produkte, die komplett durch Handarbeit gefertigt wurden. Eine Frage, die auch uns immer wieder beschäftigt.

Ulrike Sandner nutzte die freie Zeit, um neue Modelle und Formen für ihre Porzellanserien zu bauen. Die Serien „Costa“ und „Ronda“ wurden um Teller in vier verschiedenen Größen ergänzt. Außerdem entwickelte sie eine schlichte, puristische Butterdose, nach der sie schon oft gefragt worden war. Und eine ganz neue Serie von Zylindervasen erblickte das Licht der Welt. Beim Herstellen von Porzellan, dem Abwaschen der Gefäße, Pinsel, Rührer und Siebe kann sehr viel Masse, Glasur und vor allem der teure Farbkörper, im Absatzbecken und somit auf dem Sondermüll landen. Winzige Mengen jeden Tag machen nach einem Jahr ca. 60 Liter aus. Sandner wäscht alle Utensilien, zunächst in einem großen Bottich aus, bevor das Equipment über dem Absatzbecken gründlich gereinigt wird. Diese gesammelte Masse wird dann mehrmals gesiebt und mit etwas neuem Porzellan angesetzt. Sie ist nicht besonders gießfähig, blasenstark und mit herkömmlicher Porzellanmasse nicht zu vergleichen. Um diese aufbereitete Masse zu benutzen, entstanden die Zylindervasen mit ihrem Dekor, das durch Spitzenbänder aufgepinselt wird. Ein sehr Resultat aus Nachhaltigkeit und der Erinnerung an die von Sandners Großmutter gesammelte Spitze.

Roswitha Winde-Pauls ist bekannt für die klaren, schlichten Formen ihrer frei gedrehten Gefäßunikate aus Porzellan. Während des letzten Lockdowns prägte „homeschooling“ ihren Familien- und Arbeitsrhythmus. Richtig konzentrierte Arbeit in der Werkstatt war kaum möglich. Die Jahreszeit – eher grau und ungemütlich, die Bäume – kahl, die Wiesen – ohne bunte Blumen. Um Kopf und Geist zu „lüften“ wanderte sie mit ihrer Familie dennoch jeden Tag durch den Wald. Dort fielen ihr plötzlich unglaublich schöne, bunte, leuchtende Farbtupfer auf – Flechten! Struktur, Farbigkeit und Farbkontraste dieser schönen Flechten faszinierten Winde-Pauls. Letztendlich entstand daraus eine ganz neue Gruppe von Zylindergefäßen mit besonders durchgestalteten Oberflächen – Farbflächen, Linien, kräftige Strukturen neben ganz glatten Flächen – die Gestaltungen der Innen- und Außenflächen ergänzen einander.

Steffi Herz nutzte die Pandemiezeit, um sich intensiver mit dem Thema „Urne“ auseinanderzusetzen. Sie erhielt dafür ein Projekt-Stipendium des hessischen Kultusministeriums. Da die Tendenz zu Friedwaldbestattungen zunimmt, ist die Materialauswahl wichtig. Wiederverwendbare Materialien wie Pappmaché, Pulp oder ungebrannter Ton, der mit Knochenleim stabilisiert wird, bieten sich dafür an.

Schmuck

Die Schmuckgestalterin Ulrike Blindow berichtet, dass sie kein Geld hatte, um teures Material zu beschaffen, dafür aber viel mehr Zeit für Geduldsarbeiten mit neuen Materialien. In dieser Situation produzierte sie aus feinen elastischen Kunststoffnetzen in kräftigen Farben, die normalerweise für die Verpackung von Mandarinen, Knoblauch oder Nüssen verwendet werden, Behälter für sehr große dunkle Ringe aus Eisen oder Gagat. Aus dünnsten Nylonfäden wurden in mehreren Schichten in Kombination mit den Obstnetzen Beutelchen gehäkelt, die mit einem altbekannten Zugverschluss verschlossen werden. Die Ringe bestehen aus schwarzem gegossenem Eisen oder Gagat und Tahitiperle, Rhodochrosit, Silber. In den Beutelchen werden sie geschützt, sind aber in der transparenten Verpackung von außen zu erkennen. So werden ganz im Sinne der Nachhaltigkeit aus Verpackungen von Obst und Gemüse Aufbewahrungsbeutel für besonderen Schmuck.

Kathrin Sättele hat während der Pandemiezeit ganz tief „hineingeschaut“. In ihre Kaffeetasse, die wohl schon ein wenig länger herum gestanden hat. Dabei tauchte sie in die Welt der Schimmelpilze ein, deren Farbigkeit und Strukturen sie in den Bann zogen. Der Pilz hat sie dazu verleitet, drei Umsetzungen im Textilen zu wagen. So entstanden Broschen, die in Umfang und Gestaltung an eine Petrischale erinnern. Auf der stoffbezogenen Fläche hat Sättele in unterschiedlichen Techniken „Pilzflächen“ wachsen lassen.  Eine von ihnen greift das Thema Sporen auf, die aus der stoffbezogenen Fläche herauszuwachsen scheinen.

Christina Timmermann hat die vergangenen Monate genutzt und sich mit dem Thema Sandguss intensiver beschäftigt. Diese Technik der Schmuckherstellung hat sie immer schon interessiert, doch bislang fehlte ihr die nötige Zeit und Ruhe dafür. Vorrangig beschäftigte sie sich mit der ´cast not set´ Technik  .  Bei dieser Methode werden hochwertige Edelsteine wie Brillanten, Saphire und Rubine (weniger harte Steine halten die Hitze nicht aus und würden brechen)  in der Sandform platziert und von dem heißen, flüssigen Edelmetall umgossen. Die Steine wirken wie zufällig in das Metall gestreut. Es ist ein unvorhersehbarer und auch archaischer Prozess, der Ausgang ist ungewiss. Und das macht ihn  so spannend.

Glas

Dagmar Christina Gerke schuf die Glasserie „Spaces of Taiwan“. Echte Reisen waren zeitweise nicht mehr möglich, aber Gedankenreisen gehen immer. Die Reihe Spaces of Taiwan wurde in Kooperation mit der Glasmanufaktur Harzkristall produziert und zeigt sechs verschiedene Orte, materialisiert in Glas. So entstand eine Hommage an Taiwan und das Reisen an sich.

Textil

Marina Krog, bekannt für ihre kunstvollen Plissees, nutzte die Zeit zum Falten neuer Muster. Daraus schuf sie dreidimensionale Körper, die sich als Vase oder als Leuchte verwenden lassen. Auch die Textilgestalterin Marion Krüger experimentierte mit neuen textilen Techniken jenseits des Siebdrucks. Sie färbte Stoffe mit Pflanzen, experimentierte mit Shibori, Sun- und Ecoprint. Und zwar auf der wunderschönen kanarischen Insel La Gomera, wo der Cochenille Farbstoff direkt vor der Haustür zu finden ist. Martina Finkenstein, in deren Werkstatt normalerweise Taschen, Schals und textiler Schmuck gefertigt werden, experimentierte mit hochwertigen Polsterstoffen und entwickelte eine Schmuse-Tierkollektion: die Finkis.

Papier

Die Papierkünstlerin Setbyol Oh nutzte die Pandemiezeit, um sich intensiv mit ihrem Basismaterial – dem Papier – auseinanderzusetzen. Drei Monate lang machte sie ein Praktikum beim Papiermacher Gangolf Ulbricht. Danach konnte sie ihr eigenes Wasserzeichenpapier aus Manilahaf und Baumwolle herstellen, aus dem sie neue Lichtobjekte gebaut hat.

 

Teilnehmer*innen:

Valena Ammon, Keramik /  Jutta Arndt, Schmuck / Theresia Asam, Korb / Ulrike Blindow, Schmuck / Stefan Broszeit, Holz / Sylvia Bünzel, Textil / Cathy Burke, Keramik /Karin Eberhardt, Textil /Martina Finkenstein, Textil /Dagmar Christina Gerke, Glas /Steffi Herz, Papier /Christina Klessmann; Textil / Marina Krog, Textil / Marion Krüger, Textil /Gisela Kulling, Schmuck /Heike Meiners, Schmuck /Anne Menzel, Schmuck / Setbyol Oh, Papier / Shamaprasad Padwardhan-Joshi, Schmuck / Melanie Reiche-Jerzewski, Schmuck / Torsten Rötzsch, Glas / Kathrin Sättele, Schmuck / Ulrike Sandner, Keramik / Lotte Schlör, Glas / Ingrid Schmidt, Schmuck / Martina Schrader, Textil / Carolin Schwan, Glas / Grete Sprungala, Leder / Christina Timmermann, Schmuck / Christine Wiegelmann, Papier / Roswitha Winde-Pauls, Keramik



Ausstellungseröffnung:
Samstag, 04.06.2022, 12 Uhr

Ausstellungsdauer:
04.06.2022 bis 02.07.2022

Neue Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 12-19 Uhr,
Sa 12-17 Uhr
So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen



 



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