Andreas Eberle (links) bekommt von seinem ehemaligen Chef Thomas Behr nur noch Unterstützung, wenn er darum bittet.
Andreas Eberle (links) bekommt von seinem ehemaligen Chef Thomas Behr nur noch Unterstützung, wenn er darum bittet.

Von der rechten Hand zum Chef

Nach 125 Jahren und vier Generationen wurde die Behr Haustechnik GmbH in Wennigsen 2018 erstmals nicht innerhalb der Familie, sondern an einen langjährigen Mitarbeiter übergeben.

Wennigsen.- (see) Unternehmer Thomas Behr, Jahrgang 1960, hatte sich nach einem Seminar der Handwerkskammer Hannover schon früh mit dem Thema Nachfolge beschäftigt. Da seine beiden Töchter sich beruflich für den kaufmännischen Bereich  entschieden hatten, nahm er einen Mitarbeiter Andreas Eberle in den Blick. Der Geselle hatte bereits 2014 die Gas- und Wasserlizenz erworben, um seinen Chef im Notfall und in Urlaubszeiten vertreten zu können. Lange Jahre war er die rechte Hand des Geschäftsführers. „Daher wusste ich, dass Andreas meine Nachfolge antreten kann. Er hat den Überblick, kann gut mit Kunden umgehen und ist auch technisch auf dem neuesten Stand“, erläutert Thomas Behr.

Eberle hatte den Gedanken an einen eigenen Betrieb schon länger im Hinterkopf. „Aber, wenn es dann soweit ist, muss man sich das schon gut überlegen!“, betont er. Es sei finanziell ziemlich herausfordernd und eine riesige Verantwortung, die er nun für die Mitarbeiter, seine ehemaligen Kollegen, trage. Aber er wollte unbedingt, dass der Betrieb erhalten bleibt und hat sich mit Thomas Behr über den Preis und die anderen Modalitäten rasch einigen können.

„Das ist nicht selbstverständlich“, weiß Betriebsberater Jörg Hagemann von der Handwerkskammer Hannover. Oft hätten die Betriebsinhaber überzogene Vorstellungen und die Übernehmer scheuten verständlicherweise das finanzielle Risiko. Wer die Übergabe plant oder ein Unternehmen übernehmen möchte, der sollte im ersten Schritt zur Handwerkskammer Hannover in die Beratung kommen. „Hier erfahren sie, wann was gemacht werden muss, sie können zum Beispiel eine Unternehmensbewertung bekommen und bei Bedarf Hilfe bei der Erstellung des Businessplans“, so Hagemann.

Im Nachhinein hat diese Übergabe reibungslos geklappt, aber: „Planen Sie genügend Zeit ein“, rät Eberle allen am Nachfolgeprozess Beteiligten. „Auch nach dem Tag der Übernahme gibt es viele bürokratische Dinge abzuarbeiten. Man sollte finanziell ein paar Überbrückungsmonate einplanen, in denen  eventuell nicht so viele Einnahmen hereinkommen, aber die festen Kosten gleich bleiben“, so Eberle.

Und was macht Thomas Behr nun im „Ruhestand“? „Beratend stehe ich Andreas gerne noch zur Verfügung, wenn er mich braucht, aber ansonsten habe ich keine Langeweile. Ich baue am Dorfgemeinschaftshaus mit und gehe gern und viel auf Reisen“.

 

Wer sich einen ersten Überblick über die Themen, die bei einer Betriebsübergabe relevant sind, verschaffen möchte, der kommt am besten zum Nachfolgetag der Handwerkskammer Hannover.

Themen:

  • Betriebswirtschaftliche und arbeitsrechtliche Aspekte der Unternehmensnachfolge
  • Was ist mein Unternehmen wert? Unternehmensbewertung durch die Handwerkskammer Hannover
  • Steuerliche Fallstricke bei der Unternehmensnachfolge
  • Gründungsberatung der Handwerkskammer Hannover: Erstellung eines Geschäftskonzepts, Förderprogramme
  • Der Notfallordner - Vorsorge für den Ausfall der Betriebsführung
  • Best Practice Beispiel einer Unternehmensnachfolge 

Termin:
27. Oktober 2018, 10 bis 14.30 Uhr

Ort:
Handwerkskammer Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover

Mehr Informationen und Anmeldung:

Martina Mahler
Assistentin des Geschäftsführers Wirtschaft

Tel. (05 11) 3 48 59 - 63
Fax (05 11) 3 48 59 - 32
mahler--at--hwk-hannover.de