"Es hat einfach Spaß gemacht!"

Karussell-Element

Mandfred Jacob
Handwerkskammer Hannover/Seeger

Abschied nehmen"Es hat einfach Spaß gemacht!"

Hannover. (see) „Der Abschied aus dem Meisterprüfungsausschuss war emotionaler als der in den Ruhestand vor 17 Jahren“, erzählt Elektroinstallateurmeister Manfred Jacob. Er war 48 Jahre als Arbeitnehmervertreter im Ausschuss für das Elektrotechniker-Handwerk als Prüfer und während des Ruhestandes dann als stellvertretender Vorsitzender aktiv. So hat er fast ein halbes Jahrhundert lang die rasante technologische Entwicklung in seinem Berufsfeld miterlebt und in den Prüfungen immer die neueste Technologie abgeprüft, aber auch mehrere Generationen junger Handwerker und Handwerkerinnen zum höchsten Titel im Handwerk verholfen.

Er selbst hat 50 Jahre bei der Firma Purfürst in Altwarmbüchen gelernt, danach als Geselle und ab 1970 schließlich als Meister gearbeitet. Als er 1955 mit der Schule fertig war, waren Lehrstellen knapp. Er hatte Glück. Ein Onkel, der bei Conti arbeitete, half ihm beim Dienstleister Purfürst eine Lehrstelle zu ergattern. Ebenso zufällig kam er zur Meisterschule. Ein Kollege wollte unbedingt seinen Meister machen, und traute sich nicht alleine. So ging er mit und bestand 1970 die Prüfung. „Das hat sich für mich finanziell ausgezahlt, daher bin ich froh, dass ich es gemacht habe“, so Jacob.

Vier Jahre später wurde er dann wiederum von einem Kollegen gefragt, ob er im Meisterprüfungsausschuss für das Elektrotechniker-Handwerk mitarbeiten wollte. „Ich war neugierig und fühlte mich geehrt, daher habe ich zugesagt und es bis zuletzt nicht bereut“, so Jacob. Aber warum blieb er so lange dabei? Sicher, weil er immer wieder gefragt wurde, aber auch weil „das Ehrenamt des Prüfers interessant ist und man damit immer auf dem neuesten Stand bleibt“, gerade auch nach dem Ausscheiden aus den Berufsleben. „Wir erarbeiten die Prüfungsaufgaben immer wieder neu, daher habe ich mich kontinuierlich weitergebildet und in die neue Materie tief eingearbeitet.“

Was hat sich geändert in den 48 Jahren Prüfungstätigkeit? „Die Meisterschüler sind jünger geworden, einige Junghandwerker schließen die Meistervorbereitung fast nahtlos an die Gesellenprüfung an. Die Prüfungsanforderungen sind sicher gestiegen. Trotzdem fallen weniger Prüflinge durch. Früher waren es 20 bis 25 Prozent, heute nur noch so rund 10 Prozent“, zählt Jacob die Veränderungen in den letzten Jahrzehnten auf. Ein Vorfall ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Ein Prüfling kam mit einem Geigenkasten zur Prüfung und sagte vorab, sollte er durchfallen, dann passiere etwas. Diese, als Drohung aufgefasste, Aussage zog einen Polizeieinsatz auf dem Campus nach sich. „Gott sein Dank hatte er aber tatsächlich nur eine Geige im Kasten und den Satz eher auf die potentielle Reaktion seiner Eltern gemünzt. So hat er die Prüfung schließlich machen dürfen – und hat auch bestanden“, erzählt Jacob.

Aber irgendwann muss eben Schluss sein. So hat Manfred Jacob sich für die nächste Berufungsperiode des Meisterprüfungsausschusses nicht mehr zur Verfügung gestellt. Nun müssen Jüngere ran. (19.07.2022)

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