Adobe Stock - Kzenon
Das Handwerk ist der Eckpfeiler der Bau- und Immobilienbranche.

Frühjahrskonjunktur 2026Handwerk im Kammerbezirk stabilisiert sich – Erholung bleibt aber fragil

Hannover, 04. Mai 2026.- Die Frühjahrsumfrage 2026 der Handwerkskammer Hannover zeigt ein leicht stabilisiertes, aber weiterhin gedämpftes Bild der Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk. Gegenüber der Herbstumfrage 2025, die noch durch stark divergierende Lage- und Erwartungswerte geprägt war, hat sich die Schere zwischen aktueller Geschäftslage und Zukunftserwartungen merklich geschlossen.

Doch von einer echten Erholungsdynamik ist das Handwerk weit entfernt. „Die Stimmung hat sich zum Herbst hin leicht verbessert, das dürfen wir aber nicht überinterpretieren. Die Betriebe kämpfen weiterhin mit rückläufigen Aufträgen, schwacher Nachfrage und einer Kostensituation, die kaum Spielraum lässt. Hinzu kommt, dass die aktuellen geopolitischen Entwicklungen – allen voran die Blockade der Straße von Hormus – in unserer Frühjahrsumfrage noch kaum abgebildet sein können. Die daraus resultierenden Auswirkungen auf Energiepreise, Lieferketten und Rohstoffversorgung werden die Betriebe in den kommenden Monaten aber mit voller Wucht treffen. Das macht eine verlässliche wirtschaftspolitische Flankierung umso dringlicher. Wir brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen, Entbürokratisierung und gezielte Impulse, damit das Handwerk seinen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisten kann", erklärt Hauptgeschäftsführer Peter Karst.



Gesamtbild: Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau

Das Konjunkturklima im Handwerk liegt mit 108 Punkten leicht über dem Herbstwert 2025 (+6 Punkte) und auf dem Niveau des Vorjahresquartals (+1 Punkt). Sowohl die aktuelle Geschäftslage (109 Punkte) als auch die Zukunftserwartungen (107 Punkte) befinden sich damit auf einem vergleichbaren, leicht positiven Niveau – anders als im Herbst 2025, als die Erwartungen mit 88 Punkten deutlich ins Negative gerutscht waren. Nennenswerter konjunktureller Schwung ist jedoch nicht in Sicht.

Mehr als jeder fünfte Betrieb (über 20 Prozent) bewertet seine aktuelle Geschäftslage als schlecht – ein Wert, der sich seit der Herbsterhebung nicht verbessert hat. Als zentrale Belastungsfaktoren nennen betroffene Betriebe vor allem rückläufige Nachfrage bei privaten Kunden (66 Prozent), schwache gewerbliche Aufträge sowie Preissteigerungen im Einkauf (54 Prozent) und bürokratische Hemmnisse (53 Prozent).

Die Auftragslage bleibt angespannt: Per Saldo melden 23 Prozent der Betriebe Rückgänge gegenüber dem Vorquartal – ein ähnlicher Wert wie im Vorjahr. Auch die Umsatzentwicklung fällt schwächer aus als im Vorjahr: Saldiert berichten fast 32 Prozent der Betriebe von Einbußen (-4 Prozentpunkte im Jahresvergleich). Immerhin: Für das zweite Quartal 2026 zeichnen sich leicht positivere Erwartungen bei Aufträgen und Umsätzen ab.

Der Kostendruck bleibt hoch. Per Saldo berichten 81 Prozent der Betriebe von steigenden Einkaufspreisen – ein weiterer Anstieg um 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber konnten nur 39 Prozent ihre Verkaufspreise erhöhen. Die Preisüberwälzung hat sich damit im Jahresvergleich um 6 Prozentpunkte verschlechtert. Die Investitionsneigung bleibt verhalten (Saldo: -9 Prozent), für das zweite Quartal wird eine weitere Eintrübung erwartet (-15 Prozent).

„Die Betriebe sind belastbar, aber die Luft wird dünner. Wer Monat für Monat mehr für Einkauf und Personal ausgibt, aber immer weniger davon weitergeben kann, gerät früher oder später unter existenziellen Druck", so Karst.

Regionen: Aufhellung in den Landkreisen – Hannover bleibt stabil

Die regionale Entwicklung im Kammerbezirk zeigt sich im Frühjahr 2026 insgesamt homogener als noch im Herbst 2025, als flächendeckend negative Erwartungswerte dominierten. „Erfreulich ist, dass sich die Zukunftserwartungen in vielen Landkreisen spürbar aufgehellt haben. Das ist ein Zeichen, dass der pessimistischste Punkt möglicherweise überschritten ist", beschreibt Geschäftsführer Stefan Schiller die Entwicklung im Kammerbezirk.

Den stärksten Aufschwung verzeichnet der Landkreis Hameln-Pyrmont: Mit einem Geschäftsklimaindex von 118 Punkten (+15 Punkte zum Vorjahr) führt er den Regionalvergleich an. Sowohl die aktuelle Geschäftslage (119 Punkte) als auch der Erwartungsindex (118 Punkte, +20 Punkte) zeigen die stärksten Werte aller Regionen.

Auch der Landkreis Nienburg konnte sich deutlich erholen: Das Geschäftsklima stieg um 13 Punkte auf 108 Punkte und liegt damit wieder im positiven Bereich – im Herbst 2025 war er noch die pessimistischste Region im Kammerbezirk.

Der Landkreis Schaumburg erreicht mit 109 Punkten ebenfalls einen soliden Wert und verbesserte seinen Erwartungsindex um 11 Punkte auf 102 Punkte.

Die Region Hannover und die Stadt Hannover zeigen sich stabil, jedoch ohne nennenswerten Schwung. Die Region Hannover liegt mit 105 Punkten im Klimaindex am unteren Ende des Vergleichs; die Erwartungslage entwickelte sich hier leicht rückläufig.

Der Landkreis Diepholz musste im Lageindex einen Rückgang von 9 Punkten hinnehmen.

Gewerke: Heterogenes Bild zwischen Gesundheitshandwerk und Nahrungsmittelgewerbe

Die konjunkturelle Lage unterscheidet sich je nach Gewerk erheblich. Das Gesundheitshandwerk bleibt die klare Ausnahme im positiven Sinne: Mit einem Geschäftsklimaindex von 131 Punkten führt es den Branchenvergleich an – trotz eines leichten Rückgangs von 4 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Sowohl die aktuelle Lage (129 Punkte) als auch die Zukunftserwartungen (133 Punkte) werden durchweg optimistisch bewertet. Jeder fünfte Betrieb hat zuletzt neue Stellen geschaffen, 55 Prozent konnten ihre Verkaufspreise erhöhen. „Das Gesundheitshandwerk bleibt das Zugpferd der Branche und zeigt, dass seine Leistungen auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gefragt bleiben ", erklärt Dr. Matthias Lankau, Abteilungsleiter ökonomische Unternehmensentwicklung.

Das Bauhandwerk bleibt ein Sorgenkind: Das Geschäftsklima ist gegenüber dem Vorjahr um 9 Punkte auf 111 Punkte gesunken. Zwar wird die aktuelle Lage noch positiv bewertet (108 Punkte), jedoch sind bei saldiert 41 Prozent der Betriebe die Umsätze zurückgegangen – der höchste Wert aller Branchen. Der Margendruck hat sich massiv verschärft: 86 Prozent der Baubetriebe berichten von steigenden Einkaufspreisen (Vorjahr: 68 Prozent), während nur 29 Prozent ihre Verkaufspreise erhöhen konnten. Entsprechend hat jeder fünfte Baubetrieb seine Investitionen zurückgefahren.

Das Ausbauhandwerk hält seinen Geschäftsklimaindex stabil bei 109 Punkten (wie im Vorjahr), verliert jedoch seinen langjährigen zweiten Platz im Branchenvergleich. Per Saldo 27 Prozent der Betriebe verzeichnen Auftragsrückgänge, 31 Prozent Umsatzeinbußen. Schwache Privat- und gewerbliche Nachfrage sowie ungünstige Finanzierungsbedingungen auf Kundenseite bestimmen das Bild.

Das Kfz-Handwerk verzeichnet die stärkste Aufhellung: Der Geschäftsklimaindex ist im Jahresvergleich um 18 Punkte auf 108 Punkte gestiegen – getrieben vor allem durch deutlich verbesserte Zukunftserwartungen (+38 Punkte, Erwartungsindex: 118 Punkte). Die aktuelle Lage bleibt jedoch mit 96 Punkten leicht im negativen Bereich.

Das Nahrungsmittelhandwerk bildet das Schlusslicht: Der Geschäftsklimaindex ist um 16 Punkte auf 94 Punkte gefallen – der niedrigste Wert aller Branchen und ein Fünfjahrestief bei der Geschäftslage (88 Punkte). Fast ein Viertel der Betriebe bewertet die aktuelle Lage als schlecht. Gestiegene Einkaufspreise, bürokratische Belastungen und schwache Konsumnachfrage setzen die Betriebe massiv unter Druck.



 Pressekontakt

Nina Lemmerz-Sickert

Leiterin Stabsabteilung Strategische Entwicklung, Gremien und Kommunikation

Tel. +49 511 34859 436

Fax +49 511 34859 432

lemmerz-sickert--at--hwk-hannover.de

Den Konjunkturbericht Frühjahr 2026 sowie alle Grafiken finden Sie zum Download unter www.hwk-hannover.de/konjunktur.

Umfragezeitraum: 12. bis 31.03.2026