Adobe Stock / contrastwerkstatt

Konjunkturbericht Herbst 2026Lage leicht verbessert – Erwartungen weiter verhalten

Hannover, 29. Oktober 2026. Die Herbstumfrage 2026 der Handwerkskammer Hannover zeigt ein gedämpftes Bild der Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk. Die aktuelle Geschäftslage hat sich leicht verbessert, die Erwartungen für das kommende Quartal sind dagegen gesunken. Der Geschäftsklimaindex liegt unverändert bei 102 Punkten.

„Der Druck auf viele Betriebe hat sich seit dem vergangenen Jahr nicht abgeschwächt. Aufträge und Umsätze bleiben auf einem niedrigen Niveau“, unterstreicht Hauptgeschäftsführer Peter Karst die Brisanz der wirtschaftlichen Lage. Es sei wieder ein Jahr verstrichen, im dem es nicht gelungen sei, die Wirtschaft insgesamt so anzukurbeln, dass sich die Entwicklung endlich wieder ins Positive dreht. „Allein Investitionen der öffentlichen Hand haben sich jüngst positiv auf die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute ausgewirkt. Das ist zu wenig.“

Geschäftslage gut, Zukunftsaussichten trüb, Investitionen rückläufig

Mit 122 Indexpunkten ist die Geschäftslage positiv. Die Erwartungen liegen hingegen mit 85 Punkten klar im negativen Bereich. „Die Erwartungen sind immer schlechter, als die aktuelle Lage eingeschätzt wird. Wir haben jetzt mehrere Jahre in Folge mit einer pessimistischen Einschätzung zu kämpfen, die Unternehmerinnen und Unternehmer von Investitionen abhält. Auch das hat wirtschaftliche Folgen. Ich bin mir mittlerweile keineswegs mehr sicher, ob die Folgen der Wirtschaftsflaute ganzheitlich im Blick sind.“, unterstreicht Karst die Bedeutung von Investitionen.

Die Ursachen sind wie in den vergangenen Jahren vielfältig: Weiterhin steigende Einkaufs-, Energiepreise sowie Personalkosten lassen Margen schrumpfen. Viele Projekte, insbesondere im Bau, werden verschoben oder gestrichen und Privathaushalte und Unternehmen agieren weiterhin zurückhaltend und sparen bei größeren Ausgaben.

Regionen: Diepholz vorn, Nienburg am schwächsten

Regional zeigt sich im Kammerbezirk ein unterschiedliches Bild. Die Lage wird in allen Landkreisen und Städten des Kammerbezirks positiv bewertet. „Sie liegt zwischen 116 und 133 Punkten. Die Erwartungen sind dagegen überall pessimistisch und reichen von 82 Punkten im Landkreis Nienburg bis 92 Punkten im Landkreis Diepholz.“, fasst Stefan Schiller, Geschäftsführer Nachhaltige Unternehmensentwicklung, die Ergebnisse zusammen.

Der Landkreis Diepholz erreicht mit 110 Punkten das höchste Geschäftsklima, gefolgt vom Landkreis Schaumburg mit 107 Punkten, der mit 13 Punkten den stärksten Zuwachs verzeichnet. Der Landkreis Hameln-Pyrmont liegt bei 104 Punkten, die Region Hannover und die Stadt Hannover jeweils bei 100 Punkten. Der Landkreis Nienburg weist mit 97 Punkten den niedrigsten Wert auf, konnte sich gegenüber dem Vorjahr jedoch um fünf Punkte verbessern. Die Unterschiede hängen teils von der Branchenstruktur ab, teils von einzelnen Gewerkegruppen: z.B. entwickelt sich hier das Ausbaugewerbe mit einer Lage von 137 Punkten gut, während der gewerbliche Bedarf deutlich zurückhaltender ist.

Größte wirtschaftliche Risiken

Zur Sonderfrage, mit der die größten wirtschaftlichen Risiken abgefragt wurden, hebt Schiller hervor: „Aus der Gesamtheit aller umfrageteilnehmenden Betriebe meldeten 100 Prozent der Betriebe die allgemeine Wirtschaftslage als größtes Risiko zurück. Die Auftragslage bei Privatkunden werden mit 68 Prozent sowie die Energie- und Rohstoffpreise werden von jeweils 69 Prozent als Risiko benannt.“ Dies wundere insoweit nicht, als in allen Gewerkegruppen insbesondere auch Aufträge und Umsätze mit privaten Kunden gemacht würden. „Wenn aber die Arbeitsplatzunsicherheit steigt, wird gespart.“

Entwicklung nach Gewerkegruppen

„Die Konjunktur im Handwerk verläuft nach Gewerkegruppen sehr unterschiedlich. Während sich die Geschäftslage im Gesundheitshandwerk gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert hat und auch die persönlichen Dienstleistungen und das Nahrungsmittelhandwerk deutlich unter Druck stehen, zeigt sich das Ausbaugewerbe weiterhin stabil. Solche Unterschiede sollten bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden, denn eine pauschale Lösung trifft nicht alle Betriebe gleich.“, beschreibt Dr. Matthias Lankau, Abteilungsleiter ökonomische Unternehmensentwicklung.

Das Ausbaugewerbe erreicht mit 108 Punkten ein positives Geschäftsklima. Die Lage wird mit 137 Punkten am besten beurteilt, die Erwartungen liegen bei 86 Punkten. Das Bauhauptgewerbe kommt auf 94 Punkte. Die Lage wird mit 111 Punkten noch positiv bewertet, die Erwartungen fallen mit 79 Punkten deutlich niedriger aus.

Das Gesundheitsgewerbe weist mit 113 Punkten das höchste Geschäftsklima auf. Lage und Erwartungen liegen bei 113 beziehungsweise 114 Punkten. Bei den Auftragseingängen melden die Betriebe einen Saldo von -14 Prozent, bei den Umsätzen von -21 Prozent. Die Preisüberwälzung ist mit -71 Prozent die schwächste aller Gewerkegruppen.

Die persönlichen Dienstleistungen erreichen 95 Punkte und liegen damit unter der neutralen Marke. Das Geschäftsklima ist um 25 Punkte gesunken. Die Auftragseingänge weisen einen Saldo von -34 Prozent aus, die Umsätze von -33 Prozent. Die Betriebsauslastung liegt bei rund 66 Prozent.

Das Kfz-Handwerk kommt auf 101 Punkte. Die Lage wird mit 120 Punkten bewertet, die Erwartungen liegen bei 86 Punkten. Die Investitionen entwickeln sich mit einem Saldo von +18 Prozent positiv.

Im Nahrungsmittelhandwerk steigt das Geschäftsklima um 23 Punkte auf 99 Punkte. Die Lage wird mit 113 Punkten positiv beurteilt, die Erwartungen mit 86 Punkten zurückhaltend. Bei den Auftragseingängen und Umsätzen liegt der Saldo bei jeweils -36 Prozent. Die Betriebsauslastung beträgt rund 69 Prozent.

„Öffentliche Mittel müssen ankommen“

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wächst wieder leicht. Das ifo-Institut hat seine Prognose für 2026 auf 1,4 Prozent und für 2027 auf 1,2 Prozent angehoben. Die Inflationsrate lag im Juli 2026 bei 2,8 Prozent und damit wieder über dem Ziel der Europäischen Zentralbank. Die Arbeitslosenquote betrug im August 2026 6,5 Prozent.

„Die Betriebe im Handwerk arbeiten unter Kostendruck und mit wenig Planungssicherheit, und das spiegelt sich in einer Erwartung von 85 Punkten wider. Wenn die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen soll, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und zügige Entscheidungen. Die öffentlichen Investitionen von rund 128,7 Milliarden Euro helfen nur, wenn sie insbesondere bei den Handwerksbetrieben ankommen.“, fasst Karst die bestehenden Herausforderungen zusammen.



Pressekontakt

Nina Lemmerz-Sickert

Leiterin Stabsabteilung Strategische Entwicklung, Gremien und Kommunikation

Tel. +49 511 34859 436

Fax +49 511 34859 432

lemmerz-sickert--at--hwk-hannover.de



Den Konjunkturbericht Herbst 2026 sowie alle Grafiken finden Sie zum Download unter www.hwk-hannover.de/konjunktur.