Im Betrieb Gesundheitstechnik Carl Oettinger GmbH haben die Mädchen Kerzenständer aus Kupferrohrstücken hergestellt.
Projekt "Mädchen ins Handwerk"Mädchen besuchen Handwerksbetriebe
Hannover.- (mk) Schieferplatten statt Stifte, hydraulische Rohrpresszange statt Heft: An drei Tagen drückten junge Mädchen aus Hannover mal nicht die Schulbank, sondern formten Herzen und Kerzenständer aus Handwerksmaterialien.
Im Rahmen des Projektes „Mädchen ins Handwerk“ besuchten 32 Schülerinnen verschiedener Schulen aus Hannover Handwerksbetriebe in der Region. Zuvor hatten sie in den Werkstätten auf dem Campus Handwerk, dem Bildungszentrum der Handwerkskammer Hannover, erst Einblicke in verschiedene Handwerksberufe bekommen und ihr handwerkliches Geschick an kleinen Aufgaben testen können.
Vier Handwerksbetriebe hatten Schülerinnen aus der IGS Garbsen, IGS Südstadt und der IGS Badenstedt zu sich eingeladen, um ihnen aus ihrem handwerklichen Alltag zu erzählen und die Werkstätten zu zeigen. Auf den Besuch haben sich die Betriebe gut vorbereitet. Nach einer Führung durch den Betrieb konnten die Mädchen Fragen an die Auszubildenden stellen, die den Schülerinnen als Ausbildungsbotschafterinnen Antworten auf Augenhöhe gaben.
Danach durften die Schülerinnen an kleinen Projekten ihr eigenes handwerkliches Können zeigen und die Ergebnisse anschließend mit nach Hause nehmen. Im Dachdeckerbetrieb Hanebutt formten sie ein Herz aus einer Schieferplatte und stellten im Sanitär- und Heizungsbetrieb Carl Oettinger GmbH einen Kerzenständer aus Wasserrohrstücken her. Dafür kam eine hydraulische Rohrpresszange zum Einsatz. Im Betrieb Roter Kältetechnik freuten sich die „Junghandwerkerinnen“ über einen Schlüsselanhänger aus Kupferrohren und in der Behncke Maschinenbau GmbH durften sich die Schülerinnen an Kabelisolierungen an einer Schaltanlage versuchen.
Frank Oettinger, Geschäftsführer der Gesundheitstechnik Carl Oettinger GmbH, findet es „wichtig, Mädels auch ins Handwerk zu bringen und das nahezubringen“. Er selbst hat bereits Erfahrungen mit weiblicher Kompetenz. Seit August letzten Jahres vervollständigt die erste weibliche Auszubildende das Team. „Wir sind total begeistert“, freut sich Oettinger. Und auch Lou-Marissa Dyba hat genau das richtige Handwerk für sich gefunden und kommt mit den männlichen Kollegen im Team zurecht. „Mir war klar, dass ich im Handwerk mit Männern arbeiten werde und mir gefällt es immer noch und ich bereue meine Entscheidung überhaupt nicht“. Die körperliche Arbeit störe sie auch nicht, im Gegenteil: „Ich habe mich schon immer für das Handwerk begeistert und könnte mir einen Bürojob für mich gar nicht vorstellen“, so Dyba.
Handwerkliche Vorbilder gibt es in den Familien der Mädchen. Diese sind allerdings männlich. Das wiederum zeigt, wie wichtig Veranstaltungen wie „Mädchen ins Handwerk“ sind, um Perspektiven für zukünftigen Nachwuchs zu schaffen.
„Es ist wichtig, dass die Mädchen nicht nur von anderen Geschichten über das Handwerk hören, sondern sich auch selbst ausprobieren können, so können wir Interessen wecken und ausbauen. Praktische Erfahrungen sind wichtig“, sagt Sonja Plötz, Ausbildungsberaterin im Bereich Nachwuchsgewinnung der Handwerkskammer Hannover.
Da das von der Region Hannover und der Agentur für Arbeit geförderte Projekt „Mädchen ins Handwerk“ ausläuft, ruft Plötz alle Handwerksbetriebe dazu auf, Angebote wie Betriebserkundungen für Mädchen zu schaffen und weiterhin Auszubildende als Ausbildungsbotschafterinnen einzusetzen, um jungen Mädchen die Möglichkeiten zu geben, Handwerk zu erleben und für sich zu entdecken. Denn das Thema „Mädchen ins Handwerk“ ist weiterhin von großer Bedeutung. (07.06.2023)
Kontakt:
Ausbildungsberaterin, Schwerpunkt "Nachwuchsgewinnung im Handwerk"
Tel. +49 511 34859 493
Fax +49 511 34859 432