Vocatium Tagung HannoverNeue Impulse für Berufsorientierung und Recruiting
Hannover.- (ck) Wie gewinnt man junge Menschen für eine Ausbildung – und was muss passieren, damit sie die Ausbildung beenden und im Betrieb bleiben? Um diese Fragen drehte sich die vocatium Tagung am 17. September in der Handwerkskammer Hannover. Unter dem Motto „Ticket to Talent – neue Wege, bewährte Routen“ brachte das IfT Institut für Talententwicklung Fachleute aus Schule, Ausbildung, Wirtschaft und Berufsorientierung zusammen.
„Es gibt so viele Optionen“
Wie junge Menschen den Übergang von der Schule in die Ausbildung erleben, wird im Azubi-Panel deutlich. Mehdi Ediz, Auszubildender zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik bei der Martin Braun-Gruppe und Ausbildungsbotschafter, beschreibt die Berufswahl als Herausforderung: „Es gibt so viele Optionen.“ Sophie Jakob, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement beim NDR, erlebt den Ausbildungsstart als großen Umbruch. Neue Situationen, andere Menschen und feste Arbeitszeiten erforderten zunächst eine Umstellung.
Bei der Berufsorientierung sehen die Jugendlichen noch Luft nach oben. An Gymnasien stehe häufig das Studium im Vordergrund, berichtet Theo Büdden, Vorstand des Landesschülerrats Niedersachsen und angehender Erzieher. Praktika fehlten, Berufsorientierung sei teilweise „zu theoretisch“. Sophie Jakob betont rückblickend aus ihrer Zeit als Schülerin den Wert von Berufsmessen. Damals sei es für sie besonders wichtig gewesen, „auf Augenhöhe mit Azubis reden“ zu können.
Wie Berufsorientierung praxisnah gestaltet werden kann, zeigte Ulf Jürgensen, Schulleiter der BBS Burgdorf. Junge Menschen müssten früh erreicht werden und Gelegenheit bekommen, Berufe und eigene Interessen praktisch kennenzulernen.
Was junge Menschen erwarten
Sicherheit, angemessene Vergütung, Übernahmechancen und ein gutes Arbeitsklima gehören zu den Erwartungen der jungen Generation. Auch beim ersten Kontakt zählt der praktische Eindruck. Messestände sollten auffallen und Möglichkeiten zum Mitmachen bieten. „Interaktivität“ sei wichtig, sagte Evan Adousai Sammon vom Stadtschülerrat Hannover.
Neue Wege im Recruiting zeigt Heiko Kreth, Ausbildungsleiter am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, mit dem Recrutainment. Spielelemente können Auswahlverfahren erlebnisorientierter machen, Stärken und Soft Skills sichtbar machen und gleichzeitig einen authentischen Einblick in das Ausbildungsumfeld geben. Dabei nähern sich der Prozess und die Erwartungen der Schulabsolventinnen und -absolventen aneinander an.
Nach dem Vertrag geht es weiter
Mit dem Ausbildungsvertrag ist die Aufgabe des Betriebs nicht beendet. Auszubildende müssen im Alltag motiviert und begleitet werden. Gerade der Übergang von Schule in die Arbeitswelt sei ein großer Schritt. Verlässliche Kommunikation und Unterstützung helfen jungen Menschen im Betrieb anzukommen.
Wie wichtig gute Ausbildungsprozesse sind, erläuterte Bettina Wolf-Moritz, Beauftragte für Qualitätssicherung der Handwerkskammer Hannover: „Die berufliche Bildung ist gut – aber wir müssen sie noch besser machen.“ Veränderte Berufsbilder, Digitalisierung und der Wettbewerb um junge Talente stellen Betriebe vor neue Herausforderungen.
Ausbildung gehe deshalb über die Vermittlung von Fachwissen hinaus. Auszubildende müssten abgeholt, begleitet und auch in eigene Projekte eingebunden werden. Gerade kleinere Betriebe stoßen dabei an Grenzen, weil Ausbildung häufig „nebenbei“ stattfindet. Ressourcen, verlässliche Kommunikation und eine gesunde Fehlerkultur seien deshalb wichtig. Unterstützung bietet unter anderem primAQ, ein Angebot der Handwerkskammer Hannover. (21.09.2026)
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