Claudia Asquith hatte den Mut mit Anfang 50 noch eine Ausbildung als Zweiradmechatronikerin zu beginnen.
Ausbildung im HandwerkNeustart im Handwerk mit 50+
Hannover.- (sr) Viele Menschen träumen davon, im Laufe ihres Lebens noch einmal ganz neu anzufangen – doch nur wenige wagen den Schritt. Gerade im Handwerk eröffnen sich Chancen für Menschen, die mit Lebenserfahrung, Motivation und Leidenschaft eine zweite Karriere beginnen möchten. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist Claudia Asquith, die mit Anfang 50 ihren sicheren Job im Einzelhandel hinter sich ließ, um Zweiradmechatronikerin zu werden.
Vom Verkaufsprofi zur angehenden Zweiradmechatronikerin
Über 23 Jahre arbeitete Claudia Asquith im Einzelhandel, sogar als stellvertretende Filialleiterin. Ein Job, den sie beherrschte, aber der sie irgendwann nicht mehr erfüllte. Privat war sie schon immer leidenschaftliche Motorradfahrerin, und so entstand nach und nach die Idee ihr Hobby zum Beruf zu machen.
Als ihr Partner, der eine Motorrad‑Werkstatt führt, Anfang 2024 Unterstützung suchte, stieg sie zunächst als Minijobberin ein – vor allem im Verkauf und an der Rezeption. Doch als ein Mitarbeiter in der Werkstatt ausfiel, sah sie die Chance sich hier zu verwirklichen.
„Ich habe schnell gemerkt: Ich kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen. Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt Asquith und gab ihren Minijob auf, um voll in der Werkstatt einzusteigen. „Ich wollte das Handwerk richtig lernen und habe deshalb noch einmal von vorne angefangen.“ Sie entschied sich bewusst für eine Ausbildung und startete dank ihrer vorherigen Berufsausbildung direkt im zweiten Lehrjahr.
Vor der überbetrieblichen Unterweisung hatte sie Respekt, doch die Sorge war unbegründet. „Die jungen Leute waren aufgeschlossen. Wenn man selbst offen ist, spielt das Alter keine Rolle.“ Mehr noch: Der Austausch tut ihr gut. „Das Alter relativiert sich. Wenn man es offen anspricht, ist es kein Problem, sondern eine Chance.“
Ein neuer Arbeitsalltag: fordernd, aber erfüllend
Die ersten Wochen waren hart, der Wechsel anspruchsvoll. „Wenn ich fünf Stunden gearbeitet habe, war ich fertig“, erinnert sich Asquith. Doch mit der Zeit wandelte sich die Anstrengung in Selbstvertrauen. „Heute denke ich oft: Ach, das mache ich noch schnell.“ Ihr technisches Verständnis wächst stetig. „Ich mag Motoren. Und aus Fehlern lernt man, die macht man dann nur einmal“, so die 55-Jährige.
Trotz der anfänglichen Unsicherheit ist sie sicher: Genau das ist der richtige Weg. Die Arbeit ist strukturierter, die Zeiten sind regelmäßiger, der Kundenkontakt angenehmer – und vor allem macht es ihr Spaß. „Ich habe nie bereut, den alten Job hinter mir gelassen zu haben.“ Auch wirtschaftlich war der Schritt nicht einfach, aber möglich. Wichtiger war für sie die persönliche Entwicklung. „Ich habe mich gefragt: Schaffst du das körperlich? Aber am Ende klappt alles. Es gibt immer Tricks und Tipps.“ Positives Feedback aus dem Umfeld bestärkte sie zusätzlich.
„Etwas zu wagen lohnt sich“
Claudia Asquith hat durch ihren Neustart viel über sich selbst gelernt. „Ich habe mein Leben überdacht: Was wünsche ich mir eigentlich? Was möchte ich noch erreichen? Das Ergebnis: Etwas zu wagen lohnt sich.“ Selbstzweifel? „Sollten keinen Platz haben. Man muss an sich glauben und sich ernst nehmen.“ Ihr Weg zeigt: Eine Karriere im Handwerk ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung. Und manchmal braucht es nur den Mut, eine Chance zu ergreifen. (06.03.2026)
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