Handwerkskammer Hannover/Seeger

NachwuchsgewinnungPraktikum als Türöffner

Wenn der Bewerber ein freiwilliges Praktikum in den Osterferien macht und jeden Tag den elf Kilometer langen Arbeitsweg mit Fahrrad zurücklegt, dann stehen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz schon einmal gut. Wenn er sich dann auch noch am Backtisch beim Croissantteig tourieren und Apfelkuchen belegen geschickt anstellt, ist er so gut wie eingestellt. Patrick Reichert, Produktionsleiter der Bäckerei Göing, ist mit Praktikant Till Friedrichs jedenfalls sehr zufrieden. 

„Gerade in der Bäckerei/Konditorei ist ein Praktikum für die Berufswahl sehr wichtig“, betont Bäckermeister Reichert. „Nur so können wir das handwerkliche Geschick testen. Außerdem ist es ein anstrengender Beruf, daher sollte man die Arbeitsbedingungen unbedingt vor der Ausbildung erleben.“ 

Praktikant Friedrichs backt seit Kindheitstagen leidenschaftlich gerne und war bereits vor dem Praktikum ziemlich sicher, dass er Konditor werden möchte. Noch sicherer ist er, dass er nach der 10. Klasse vom Sophiengymnasium in Hannover abgehen möchte. „Ich habe einfach mehr Spaß am Arbeiten, und in der Schule läuft es nicht so gut“, erklärt der 15-jährige Schüler. Also recherchierte er im Internet nach einer Ausbildung als Konditor und stieß relativ schnell auf die Bäckerei Göing.

„Wir haben eine Karriereseite auf unserer Website so aufgebaut, dass man seine Bewerbungsunterlagen sehr niedrigschwellig online einreichen kann“, sagt Alix Haltermann, Personalerin bei Göing. So konnte Friedrichs seine Unterlagen einfach hochladen und bekam die Chance auf ein Online-Interview. Hier überzeugte er, so dass ein Praktikum schnell vereinbart war. Von der Bewerbung bis zum Antritt des Praktikums vergingen keine zwei Wochen.



Wichtig: Struktur und persönlicher Kontakt

„Das ist vom Ablauf her perfekt“, sagt Lea Kleinert, in der Handwerkskammer zuständig für das Thema Praktikum. Danach komme es auf die Gestaltung und Planung des Praktikums an. „Ein Praktikum sollte niemals einfach nebenherlaufen. Es braucht einen festen Ansprechpartner, der Lust hat die jungen Menschen kennenzulernen und einen Plan, welche Stationen mit welchen Aufgaben der Schüler durchläuft“, so Kleinert. „Die Praktikanten sollen unterschiedliche Arbeitsschritte kennenlernen und ausprobieren, damit sie sich ein Bild machen können“, ergänzt Reichert.

Außerdem müsse man sich darüber im Klaren sein, dass das Praktikum in den meisten Fällen der erste Kontakt der Schüler mit dem Arbeitsalltag ist, meint Reichert weiter. „Mit 16 Jahren hatte ich auch viele andere Dinge im Kopf außer Arbeiten“, erinnert sich Reichert. „Bereits im Praktikum müssen wir uns als Ausbilder Mühe geben, die Standpunkte und Einstellungen der jungen Menschen zu verstehen. Wir sollten ihnen, falls nötig, eine zweite Chance geben und Fehler tolerieren. Das gehört dazu“, sagt der 36-jährige Bäckermeister.

„Wichtig ist außerdem, dass beim Praktikum nicht nur der Bewerber getestet wird. Man sollte das Praktikum dafür nutzen, Werbung für den Betrieb und die eigene Ausbildung zu machen. Dazu eignet sich der erste Tag am besten“, weiß Lea Kleinert.

Reichert und Friedrichs haben jedenfalls einen sehr guten Eindruck voneinander. „Mir macht das Praktikum sehr viel Spaß. Gerne würde ich hier eine Ausbildung machen. Das Team ist nett und man macht noch erstaunlich viel mit der Hand, das finde ich gut“, resümiert der 15-jährige Schüler. (18.05.2026)



Checkliste Praktikum

Worauf sollte man im Bewerbungsprozess und im Praktikum achten?

  • Fahren Sie  bei der Nachwuchssuche mehrgleisig:

    • Machen Sie beim Azubi-Speeddating in der Handwerkskammer mit.
    • Laden Sie sich Schülergruppen in den Betrieb ein.
    • Nehmen Sie an Berufsorientierungsmessen in Schulen in Ihrer Nähe teil.
    • Nutzen Sie die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Hannover, um ihre Praktikumsstellen bekannt zu machen.
    • Nutzen Sie die eigenen Azubis als Ausbildungsbotschafter.
  • Für alle Formalitäten (Praktikumsvertrag, Versicherungspflicht, Zeugnis) fragen Sie bei der Handwerkskammer nach
  • Strukturierter Ablauf des Praktikums ist das A und O: Willkommensgespräch – fester Ansprechpartner – konkrete Aufgabenstellung – Abschlussgespräch
  • Nutzen Sie den virtuellen Workshop „Praktikum – Klebeeffekt für zukünftige Azubis nutzen“


Kontakt

Lea Kleinert

Ausbildungsberaterin, Schwerpunkt Nachwuchsgewinnung im Handwerk

Tel. +49 511 34859 490

Fax +49 511 34859 432

l.kleinert--at--hwk-hannover.de