Auszubildende im Sattlerhandwerk Christiane Sander, Ausland, Lernaufenthalt
Edelmann
Auszubildende im Sattlerhandwerk Christiane Sander

Reif für die Insel

Christiane Sander, Auszubildende im Sattlerhandwerk, wollte mehr sehen als nur die heimische Werkstatt in Hannover. Sie hat sich für einen Lernaufenthalt auf Mallorca entschieden.

Hannover.- (ve) Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen  – ein Traum, den viele haben. Für Christiane Sander ist dieser Traum für drei Wochen Wirklichkeit geworden. Denn die  Auszubildende im Sattlerhandwerk durfte im Rahmen eines Lernaufenthalts nach Mallorca reisen und dort die spanischen Arbeitsweisen eines Sattlereibetriebs kennenlernen. „Es war eine total interessante Erfahrung mal aus seinem Ausbildungsbetrieb herauszukommen und zu sehen wie in anderen Ländern der Beruf ausgeführt wird“, erzählt die 30-Jährige, die vor ihrer Ausbildung bei der Sattlerei Bielkine in Hannover studiert, aber festgestellt hat, dass sie lieber etwas Praktisches machen will. Seit vielen Jahren bietet Chef Boris Bielkine seinen Auszubildenden die Möglichkeit, während der Ausbildung ins Ausland zu gehen an. Aufgrund ihrer guten Leistungen in der Ausbildung und in der Berufsschule, hat es auch bei Christiane Sander geklappt.

„Das Sattlerhandwerk, so wie es das bei uns in Deutschland gibt, existiert in Spanien gar nicht. Hier behilft man sich eher learning by doing“, berichtet Sander nach ihrer Rückkehr vom Lernaufenthalt. In den drei Wochen auf Mallorca hat die Auszubildende im 3. Lehrjahr bei Sattler- und Raumausstattermeister Endrik Osterdorp in Palma gearbeitet. Ostendorp kommt ursprünglich aus der Region Hannover und ist vor gut 15 Jahren auf die Baleareninsel ausgewandert, um sich dort selbstständig zu machen. Seitdem zählen gutbetuchte Deutsche und Engländer sowie Mallorquiner zu seinen Kunden. „Die Aufgaben waren sehr vielfältig. Ich habe dabei geholfen neue Cabrioverdecke zu montieren und Schönheitsreparaturen an Kunstlederverkleidungen an Booten vorzunehmen. Darüber hinaus habe ich Sitzkissen und -Polster für Yachten genäht, in Bootsschlafkabinen Teppich verlegt, Blenden und Zierleisten einer Limousine wieder angeklebt sowie sogenannte „Auto-Pyjamas“ hergestellt. Diese nutzen die Besitzer gerne als Überwurf  zum Schutz für ihre Autos“, erklärt Christiane Sander.

Der Unterschied zwischen der deutschen und der spanischen Arbeitsweise sei Sander sehr schnell aufgefallen. „Die Philosophie mañana  (morgen) wird durch und durch gelebt. Es geht viel ruhiger zu und man nimmt sich mehr Zeit für die Arbeit und auch mit den Kunden. Ganz nach dem Motto: was du heute nicht schaffst, kannst du auch morgen erledigen.“ So sei es bei einem Kundenbesuch auch Gang und Gäbe erst einmal gemeinsam Kaffee zu trinken. „Die Arbeit wird ins Leben integriert und nicht anders herum wie in Deutschland, das finde ich sehr angenehm“, so die Auszubildende.

Insgesamt sei die Zeit auf Mallorca für sie wie im Flug vergangen. Sie habe viel gelernt, nicht nur im Handwerk, sondern auch über sich selbst. „Man wird selbstständiger und sicherer in dem was man tut, und ein Blick über den Tellerrand hinaus, hat noch keinem geschadet, zieht die Auszubildende Bilanz, weswegen sie jedem Lehrling oder Gesellen einen Lernaufenthalt im Ausland nur empfehlen kann.

„Das duale Ausbildungssystem, wie wir es in Deutschland vorfinden, findet im Ausland viel Zuspruch. Ich habe von vielen Kunden gehört, wie gut doch die deutschen Azubis ausgebildet sind“, berichtet Sander. Auf die Frage, ob sich die Auszubildende vorstellen könnte im Ausland zu arbeiten, antwortet sie mit ja. „Ich könnte mir gut vorstellen nach Skandinavien zu gehen. Jobs gibt es mit Sicherheit genug. Denn als deutsche Handwerkerin ist man im Ausland  ein gern gesehener Gast“, ist sich Christiane Sander sicher. (26.06.2018)

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Merla Prietz
Beauftragte für internationale Angelegenheiten und Partnerschaften, EU-Projekte

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