Photovoltaikanlagen auf dem begrünten Dach der Dachdeckerei Heinz Ewald GmbH während des Roof Walks.
NachhaltigkeitRoof Walk: Dächer neu gedacht
Hannover.- (ck) Wie lassen sich Dachflächen für Klimaanpassung, Biodiversität und nachhaltiges Wirtschaften nutzen? Dieser Frage ging der Roof Walk des Bündnisses Biodiversität Hannover am 1. September 2026 bei der Heinz Ewald GmbH in Hannover nach. Beim Rundgang über die begrünten Betriebsdächer erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke und diskutierten mit Fachleuten über Chancen, Anforderungen und Fördermöglichkeiten.
Das 2025 gegründete Bündnis Biodiversität Hannover setzt sich dafür ein, biologische Vielfalt als Bestandteil nachhaltigen Wirtschaftens stärker in die betriebliche Praxis zu integrieren.
Dabei steht ein regionaler Ansatz im Mittelpunkt: Verantwortungsvolle und nachhaltige Wirtschaft findet statt. Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, konkrete Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Das Bündnis setzt hierzu unter anderem auf den Austausch zwischen Unternehmen, Kammern und weiteren Partnern sowie auf partizipative Prozesse und praxisorientierte Veranstaltungsformate und Webinare.
„Wir müssen Biodiversität nach vorne bringen – gerade im Handwerk können wir das im Grunde sehr fut umsetzen. Dieses Thema aufzuschieben, ist auf lange Sicht kostspielig. Deswegen berät die Handwerkskammer Hannover auch beim Thema Nachhaltigkeit und ist Mitglied des Bündnisses für Biodiversität.“ – Dr. Frank-Peter Ahlers, Abteilungsleiter des Zentrums für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover.
Kontakt Energieberater und Berater für Innovation und Technologie Tel. +49 511 34859 485 Fax +49 511 34859 432
Mehr Informationen zum Bündnis für Biodiversität finden Sie hier.
Jörg Ewald, Betriebsinhaber der Heinz Ewald GmbH, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit den Herausforderungen des Klimawandels. „Hoffnung kommt nicht von allein, die macht man sich selbst“, erklärt er seine Motivation, nachhaltige Lösungen umzusetzen. Wie das konkret funktioniert, zeigt er anhand des eigenen Betriebsdachs.
Dort findet man eine Kombination verschiedener Lösungen: Neben Photovoltaikanlagen gibt es eine extensive Begrünung mit verschiedenen Pflanzen und Kräutern, kleine Gewässer und zahlreiche Strukturen für Tiere. Hummeln, Libellen, Falter, Grashüpfer und Eidechsen finden dort Lebensraum.
Das Flachdach als Multitool
Die Dachbegrünung erfüllt mehrere Funktionen. Sie hält Regenwasser zurück und sorgt dafür, dass es langsamer abfließen kann. Gleichzeitig schützt sie das Gebäude vor Hitze, Hagel und Starkregen. Nach Angaben von Ewald kann ein begrüntes Dach im Sommer fast 50 Grad kühler sein als ein herkömmliches Dach. Dadurch kann sich auch die Lebensdauer des Daches verlängern.
Ewald bezeichnet das Flachdach deshalb als „Multitool“: Begrünung und Photovoltaik lassen sich kombinieren, gleichzeitig entstehen zusätzliche Lebensräume. Auch bei den verwendeten Materialien wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Für die Substrate der Begrünung kommt unter anderem recycelter Bauschutt zum Einsatz.
Bei der anschließenden Führung erläuterte Dachdeckermeister Mario Zuther den Aufbau und die Pflege des Daches. „Das Dach lebt von selbst“, erklärte er. Nach der Anwachsphase benötigt die Begrünung nur wenig Pflege. Im ersten Jahr muss bei Bedarf gewässert werden, später reicht in der Regel eine Kontrolle einmal jährlich. Größere Pflanzen, die sich durch die natürliche Begrünung ansiedeln, werden bei Bedarf entfernt und Wasserabläufe gereinigt.
Noch viel Potenzial vorhanden
Der Dachdeckerbetrieb zeigt, was möglich ist: Die Photovoltaikanlagen versorgen Gebäude und Betriebsfahrzeuge, überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist. Gleichzeitig bietet das begrünte Dach Lebensraum, hält Regenwasser zurück und schützt vor Hitze.
Gerade in Städten können solche Dächer einen wichtigen Beitrag leisten, um die Folgen zunehmender Flächenversiegelung abzumildern. Sie erschaffen zusätzliche Grün- und Rückhalteräume dort, wo neue Freiflächen kaum entstehen können. Was heute schon möglich ist, könnte künftig auf vielen weiteren Dächern in Hannover Realität werden. (04.09.2026)