Orgelbauermeister Georg Schloetmann hat in Georg Blendermann einen motivierten unnd begeisterten Auszubildenden gefunden.
Ausbildung im OrgelbauerhandwerkTraditionsreicher Beruf bietet Zukunft
Hannover.- (see) Das Orgelbauerhandwerk gehört zu den ältesten und zugleich anspruchsvollsten Gewerken überhaupt. Es verbindet Holz- und Metallbearbeitung, Feinmechanik, Akustik und künstlerisches Gespür. Gleichzeitig ist es ein Handwerk mit Zukunft und mit stabilem Markt. Doch wie in vielen spezialisierten Gewerken stellt sich auch hier zunehmend die Frage nach Nachwuchs und Nachfolge.
„Man muss ein bisschen verrückt sein – dann ist der Orgelbauer der schönste Beruf, den man sich vorstellen kann“, sagt Orgelbauermeister Georg Schloetmann. Besonders freut ihn, dass er im vergangenen Sommer nach acht Jahren Ausbildungspause einen neuen Auszubildenden begrüßen konnte.
Ausbildung als strategische Entscheidung
2011 übernahm der heute 51-Jährige nach Wanderjahren im Elsass und einem Arbeitsaufenthalt in Israel die Orgelbauerwerkstatt E. Hammer. Die ersten Jahre waren herausfordernd: Es bestand Investitionsstau, die Auftragsakquise musste neu aufgebaut werden. Schritt für Schritt entwickelte sich der Betrieb weiter. Heute beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeitende, die Auftragslage ist stabil.
Trotz rückläufiger Kirchenmitgliederzahlen blickt der Unternehmer optimistisch in die Zukunft. Zwar werden Kirchen geschlossen oder umgenutzt, gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an Restaurierungen, Sanierungen und qualitätsvoller Instandhaltung bestehender Instrumente. Hinzu kommen Neubauten und internationale Projekte. Deutschland gilt im Orgelbau als führend, die deutsche Orgelbautradition ist als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO anerkannt.
Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, wieder auszubilden. „Wir denken langfristig. Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte“, sagt der Schloetmann.
Vielseitig, anspruchsvoll, einzigartig
Dass man sich bewusst für eine Ausbildung im Orgelbauerhandwerk entscheidet, ist keine Selbstverständlichkeit. Georg Blendermann hatte bereits ein Studium der Musikwissenschaft begonnen, suchte jedoch nach einer praktischen Tätigkeit mit direktem Bezug zur Musik. „Ich freue mich total, dass ich die Ausbildung im Orgelbauerhandwerk machen kann. Sie ist unglaublich vielseitig. Wir arbeiten mit Holz, Metall, Leder und unterschiedlichen Werkstoffen. Jede Orgel ist ein Unikat – kein Auftrag gleicht dem anderen. Alles zusammen genommen macht einfach sehr viel Spaß.“ Lange Anfahrtswege zum Betrieb und mehrwöchige Berufsschulblöcke in der Nähe von Stuttgart nimmt er bewusst in Kauf. „Das gehört dazu“, sagt Blendermann.
Leidenschaft und Perspektive
Der Orgelbauermeister ist überzeugt: „Man muss nicht zwingend musikalisch sein – auch wenn es hilft. Entscheidend sind handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und die Bereitschaft, sich auf individuelle Lösungen einzulassen.“ Die Arbeit führe regelmäßig an besondere Orte – in historische Kirchen und kulturell bedeutende Bauwerke.
Für den Betrieb ist Ausbildung mehr als Nachwuchsförderung – sie ist Investition in die eigene Zukunft. „Wenn die Auftragslage so bleibt, übernehmen wir unsere Auszubildenden selbstverständlich gern“, betont der Unternehmer.
Fachkräftesicherung im Spezialhandwerk
Das Beispiel zeigt: Auch kleine und hoch spezialisierte Betriebe können durch Ausbildung aktiv Fachkräftesicherung betreiben. Angesichts einer älter werdenden Betriebsinhabergeneration wird die Nachwuchsgewinnung im Orgelbauerhandwerk – wie in vielen anderen Gewerken – zu einem entscheidenden Zukunftsthema.
„Es ist der schönste Beruf, den man haben kann“, sagt der Meister zum Abschluss. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Ein bisschen Idealismus schadet nicht.“ (12.05.2026)