Ein Betrtieb, eine Familie: Geschäftsführer Michael Kubba mit seinen Töchtern, die Tischler-Gesellin Jasmin (Mitte) und die Auszubildende Emily Kubba.
Handwerkskammer Hannover
Ein Betrtieb, eine Familie: Geschäftsführer Michael Kubba mit seinen Töchtern, die Tischler-Gesellin Jasmin (Mitte) und die Auszubildende Emily Kubba.

Mehr Frauen ins HandwerkWie der Vater, so die Töchter

Hespe.- (shh) Würde man in der Bautischlerei Kubba in Hespe nach Kubba rufen, so würden vermutlich gleich drei Personen „hier“ rufen. Denn neben dem Geschäftsführer Michael Kubba arbeiten auch seine Töchter Jasmin und Emily in dem Handwerksbetrieb. Aber nicht hinter dem Schreibtisch, sondern in der Werkstatt und auf den Baustellen.

Denn die 20-jährige Jasmin Kubba ist gelernte Tischlerin. Wurde sogar 2021 als Beste in ihrem Gewerk zur Kammersiegerin und plant bereits den Start in die Meisterausbildung. Ihre jüngere Schwester, die 16-Jährige Emily Kubba, ist derweil mitten im ersten Lehrjahr zur Tischlerin und will nach der Ausbildung in anderen Betrieben praktische Erfahrungen sammeln.

Eine von sechs Aszubis weiblich

So schön der Handwerksberuf Tischlerin bzw. Tischler ist, so wenige Frauen wollen ihn erlernen. Gegenüber 286 männlichen Auszubildenden stehen 48 weibliche, die 2022 ihre Ausbildung gestartet haben. Wie viele davon nach dem 1. Lehrjahr abbrechen, ist nicht bekannt. Aber in der Klasse von Jasmin waren es zu Anfang drei Frauen. Am Ende war sie die Einzige. Das gleiche wird auch in der Klasse von Emily passieren. „Wir sind fünf Frauen, im zweiten Lehrjahr werde nur noch ich da sein“, weiß die 16-Jährige. Viele hätten nach den ersten Wochen gemerkt, dass es nichts für sie ist.

Doch die Ausbildung abbrechen, das kam weder für Jasmin, noch jetzt für Emily in Frage. Im Fall von der 20-Jährigen Gesellin kam es sogar soweit, dass sie alle Tischler-Azubis überholt hat. „Ich habe den Jungs quasi gezeigt wie es geht“, erinnert sich die Kammersiegerin. Und auch die 16-Jährige ist sich sicher, dieser Beruf ist genau das Richtige: „Es macht mir einfach alles Spaß“, sagt Emily mit voller Überzeugung.

„Probiert es einfach mal aus“

Dass gleich beide Töchter ihm ins Handwerk gefolgt sind, freut den Geschäftsführer Michael Kubba natürlich sehr. Ein „muss“ war es aber nicht, wie er betont: „Der Punkt ist, man kann nur gut in seinem Handwerk sein, wenn man Freude daran hat“, sagt der Tischlermeister und sieht das als Voraussetzung, eine Ausbildung im Handwerk zu machen. Das ist bei Jasmin und Emily der Fall. Beide Schwestern verbindet die Liebe zum Handwerk und die Begeisterung als Tischlerinnen „quasi aus dem Nichts“ etwas erschaffen zu können, wie es Jasmin beschreibt.

Die Tischler-Gesellin und die Auszubildende zur Tischlerin würden sich freuen, wenn mehr Frauen den Weg ins Handwerk finden würden. Die Schwestern sagen aber auch, dass ein Beruf, wie der der Tischlerin, nicht für alle Frauen etwas ist. „Man sollte vorher genau darüber nachdenken, will ich das, kann ich das“, betont Emily. Weiter müsse man auch mit dem ab und zu rauen Ton in der Werkstatt oder auf den Baustellen umgehen können, weiß Jasmin.

Emilys Tipp: „Probiert es einfach mal aus. Macht zum Beispiel ein Praktikum in den Schulferien. Dann hat man vielleicht mal dreckige Finger, aber am Ende weiß man, ob es für einen etwas ist, oder nicht.“ (27.07.2022)

Weitere Informationen:

Offene Ausbildungsstellen und Praktika im Handwerk finden Sie in der Lehrstellenbörse.

Ansprechpartnerin:

Sonja Plötz
Ausbildungsberaterin, Schwerpunkt "Nachwuchsgewinnung im Handwerk"

Tel. +49 511 34859 493
Fax +49 511 34859 432
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