Hanno Schnelle (links) und Kai Wehrhahn (rechts) in der Werkstatt der Tischlerei Wehrhahn.
Handwerkskammer Hannover

Diversity Tag „Betriebe können das Leben eines Menschen verändern“

Hannover.- (mk) Was mit einem Gespräch unter Freunden begann, hat bereits seit drei Jahrzehnten Bestand: Hanno Schnelle ist Tischler, gehörlos und arbeitet seit rund 30 Jahren in der Tischlerei Wehrhahn in Nettelrede im Umland von Bad Münder.

„Unsere Väter waren miteinander befreundet und Hanno suchte nach seiner Ausbildung eine Anstellung als Tischler“, erzählt Geschäftsführer Kai Wehrhahn. Die Gehörlosigkeit von Hanno Schnelle stellte für die Anstellung im Betrieb keine Probleme dar, im Gegenteil: „Ich habe mir nie wirklich große Gedanken um seine Behinderung gemacht, das war einfach immer so“, sagt Wehrhahn. „Und durch seine Ausbildung war er bereits vom Fach und kannte sich aus. Seine Arbeitsabläufe organisiert sich Hanno selbst.“

Auch für Hanno Schnelle selbst stellt die Tatsache, dass er nichts hört, keine besondere Herausforderung im Arbeitsalltag dar. Technische Veränderungen musste der Betrieb für Hanno Schnelle nicht umsetzen. Schnelle bediene alle Maschinen und fahre sogar LKW. „Nur Gabelstapler darf ich nicht fahren“, ergänzt Schnelle und man merkt ihm an, mit welcher Freude er das gerne täte.



Kommunikation im Berufsalltag

Während Gebärdensprache für den gehörlosen Tischler in der Regel essenziell ist, tauscht er sich mit seinen Kollegen über Stift und Papier aus. „Das Team und ich können keine offizielle Gebärdensprache, haben aber mit Hanno mit der Zeit gewisse Gesten entwickelt, mit denen wir uns verständigen können. Ein großer Vorteil ist, dass Hanno Lippen lesen kann, was natürlich vieles einfacher macht. Überhaupt ist mit der Zeit die Kommunikation zwischen uns einfacher geworden.“

Und bei Kundenterminen? „Da übernehmen meine hörenden Kollegen weitestgehend die Kommunikation. Wenn es notwendig ist, greife ich im Kundengespräch aber auch auf die schriftliche Kommunikation zurück. Bislang hat das immer gut funktioniert“, sagt Schnelle.

Dass Inklusion noch nicht in jedem Handwerksbetrieb gelebt wird, wissen auch die beiden Tischler. Dennoch finden sie: Wenn auf beiden Seiten ein Wille ist, gibt es auch immer einen Weg. „Menschen mit Behinderungen gehören zu unserer Gesellschaft und sollten, wie Menschen ohne Behinderung auch, ein geregeltes Berufsleben führen können. Natürlich muss man immer schauen, ob die Art der Behinderung mit den Aufgaben zusammenpasst und das auch realistisch einschätzen. Aber in den meisten Fällen gibt es Möglichkeiten, das Aufgabenfeld entsprechend zu gestalten, wenn der Wille und die Lernfähigkeit da sind“, findet Kai Wehrhahn.



Keine Verunsicherung durch Vorurteile

Anderen Menschen mit Gehörlosigkeit rät Hanno Schnelle: „Man muss sich einfach ausprobieren und schauen, ob es passt. Ich kann nur raten, mutig zu sein und sich nicht durch Vorurteile verunsichern zu lassen. Auch mir sind Menschen mit Vorurteilen begegnet, die mich aufgrund meiner Gehörlosigkeit unterschätzt haben. Wenn man eine Ausbildung gemacht hat, ist man als Mensch mit Behinderung genauso kompetent wie Menschen ohne Behinderung und gleicher fachlichen Qualifikation“, stellt er klar. „Und viele Unsicherheiten, die man selbst hat, legen sich spätestens in der Ausbildung.“

Mittlerweile gibt es gesetzliche Vorgaben und Ämter, die Menschen mit Behinderungen helfen, einen Einstieg ins Berufsleben zu finden und Betriebe bei der Einarbeitung zu unterstützen. Betrieben, die Inklusion in ihrem Betrieb voranbringen möchten, rät Kai Wehrhahn: „Schauen Sie über ein Praktikum im Rahmen von ein paar Wochen, ob es passt. Aber besonders wichtig: Nehmen Sie Ihre anderen Mitarbeitenden mit ins Boot. So haben alle die Chance zu verstehen, was mit der Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung auf sie zukommt.“

Während des Gesprächs übersetzt Hanno Schnelles Tochter in Gebärdensprache. Sie ergänzt: „Mit der Anstellung eines Menschen mit Behinderung gewinnen Betriebe nicht nur einen Mitarbeiter – sie verändern das Leben eines Menschen.“ (19.05.2026)

 Diversity-Tag im Handwerk – ein Zeichen für Vielfalt
Die Handwerkskammer Hannover setzt zum heutigen Diversity-Tag ein klares Zeichen: Vielfalt bereichert das Handwerk! 

 Sie möchten sich auch für mehr Inklusion in Ihrem Betrieb einsetzen? Unter www.hwk-hannover.de/inklusion finden Sie weitere Infos.