Betriebsstimmen zur Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026.
Frühjahrskonjunktur 2026Wie ist die Stimmung im Handwerk?
Hannover.- (ve) Drei Betriebe geben Einblicke in ihre aktuelle Lage, sprechen über Herausforderungen, Wandel in der Branche und darüber, was sie sich für die Zukunft wünschen.
Thorsten Weniger von der Norbert Weniger Dach und- Fassadenbau GmbH in Twistringen.
Die Lage unserer Branche ist aktuell sehr angespannt, was sich an der hohen Zahl von Bietern bei öffentlichen Ausschreibungen zeigt. Wir sind dank breiter Aufstellung, gewachsener Kundenbeziehungen, größerer Einsatzradien und der Fähigkeit, komplexe Projekte zu übernehmen, derzeit dennoch vergleichsweise stabil aufgestellt. Für das Handwerk verschärft sich die Lage durch Berufseinsteiger, deren fachliche und schulische Vorbereitung oft nicht ausreicht. Unterrichtsausfälle, unvollständige Berichtshefte und eine teils geringe Motivation stellen die zukünftige Sicherung der handwerklichen Qualität in Frage und erhöhen den Aufwand für Gewinnung und Qualifizierung von Personal.
Tessa Beneke von der Bäckerei Frenzel
Die Gewinnung von Nachwuchskräften gestaltet sich derzeit sehr schwierig – sowohl bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden als auch bei ausgelernten Bäckern und Bäckereifachverkäufern. Der allgemeine Preisanstieg ist auch an uns nicht vorbeigegangen. Dennoch liegen unsere Preise im Betrieb weiterhin vergleichsweise günstig im unteren Bereich.
Erschwerend hinzu kam, dass wir fast anderthalb Jahre lang direkt vor unserem Geschäft eine Baustelle hatten. Das hatte zur Folge, dass manche Kunden ihre Brötchen in dieser Zeit lieber anderswo gekauft haben. Seit gut einem Monat sind die Bauarbeiten nun abgeschlossen und die Situation verbessert sich allmählich, dennoch hat uns diese Phase spürbar beeinträchtigt.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen: Aktuell haben wir eine Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin im ersten Lehrjahr, mit der wir sehr zufrieden sind. Sie hat bereits durch mehrere Praktika bei uns in den Betrieb hineingeschnuppert und sich dabei bestens bewährt.
Kurzfristig möchten wir nun vor allem unsere bisherigen Kunden, die während der Baustellenphase zu anderen Anbietern gewechselt sind, zurückgewinnen und zusätzlich neue Kunden dazugewinnen, damit wir wieder das Niveau von vor der Baustelle erreichen.
Gleichzeitig verfolgen wir aufmerksam die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Sorgen bereitet hat uns etwa die Diskussion um die 1.000 Euro-Sofortprämie, die für kleine Betriebe nicht tragbar gewesen wäre. Insgesamt blicken wir als Betrieb jedoch optimistisch in die Zukunft und nehmen einen positiven Trend wahr: Es wird wieder bewusster in der Bäckerei eingekauft, statt an der Brötchen-Selbstbedienungstheke im Supermarkt, und unsere Kundschaft wird spürbar jünger. Zudem hoffen wir, dass unsere bevorstehende Betriebsübernahme reibungslos verläuft.
Joachim Katz, Auto Katz und Nolte Kfz GmbH
Wir sind derzeit gut ausgelastet. Insgesamt steht das Kfz-Handwerk solide da – und das spüren auch wir in unserem Betrieb. Gleichzeitig beobachten wir Veränderungen im Kundenverhalten: Künftig werden viele Kundinnen und Kunden ihre Fahrzeuge voraussichtlich nur noch einmal jährlich zur Inspektion bringen statt wie bisher zweimal. Auch der Trend hin zum Fahrrad sowie die zunehmende E-Mobilität machen sich bemerkbar.
Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung bin ich zuversichtlich. Die Nachfrage nach unseren Leistungen wird auch künftig bestehen bleiben. Eine große Herausforderung sehen wir allerdings in unserer Altersstruktur: In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Mitarbeitende in den Ruhestand gehen. Diese personellen Lücken qualifiziert nachzubesetzen, wird für uns eine wichtige Aufgabe sein.
Kontakt zum Thema Konjunktur
Abteilungsleiter Ökonomische Unternehmensentwicklung
Tel. +49 511 34859 464
Fax +49 511 34859 432
Weitere Informationen zur Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 unter www.hwk-hannover.de/konjunktur